Vorgeblättert

Leseprobe zu John Vaillant: Der Tiger. Teil 2

20.09.2010.
(S. 144 ff)


Die Überlegenheit des Menschen liegt innen, die des Tieres außen.
                                                             Russisches Sprichwort

Nachdem Markows Überreste entdeckt worden waren, befragte die Inspektion Tiger die Menschen, die ihn zuletzt lebend gesehen hatten. Das war etwa ein halbes Dutzend,und obwohl sie alle ziemlich weit voneinander entfernt lebten - manche ohne jeden Anschluss ans Straßennetz -, behaupteten sie sämtlich, Markow noch wenige Stunden vor seinem Tod begegnet zu sein. Natürlich waren das alles Männer: russische Holzfäller und eingeborene Jäger; einer von ihnen,der Hauptzeuge, war Iwan Dunkai.
     Dunkai war ein Ältester der Nanai aus dem Eingeborenendorf Krasni Jar ("Rotes Ufer"), das etwa 25 Kilometer flussabwärts von Sobolonje am linken Ufer des Bikin liegt. Bis zum Bau einer Brücke 1990 war es überhaupt nicht ans Straßennetz angeschlossen. Im Dorf leben etwa 600 Udihe und Nanai, außerdem ein paar ethnische Russen*, die meistens als Ehegatten oder Beamte hierher kamen. Arsenjew und Dersu sollen 1908 das Gebiet durchquert haben, und wenn sie heute zurückkehrten, würden ihnen kaum Veränderungen auffallen. Einbäume und schlanke, pirogenartige omorotschki säumen das Flussufer, Vieh trottet die unbefestigten, aber sauberen Straßen entlang, und praktisch jedes Gebäude, jeder Zaun, jeder Gehweg besteht aus Holz. Feuerholz wird im ganzen Baumstamm angeliefert - man sägt nach Bedarf ein Stück ab und spaltet es in Scheite. Wenn bei den Bewohnern nicht asiatische Züge vorherrschten, könnte man Krasni Jar für das Schtetl aus Anatewka halten. Die einzigen auffälligen Unterschiede zwischen damals und heute sind das elektrische Licht, eine Handvoll Autos und Schneemobile und mehrere, von einem ukrainischen Künstler fantasievoll gestaltete Häuser - eins sieht wie ein knurrender Tiger aus.
     Iwan Dunkai war ein nachgeborener Usala - eine letzte Verbindung in eine Zeit, in der die Einheimischen den Tiger als Herrn des Waldes anerkannten. Dunkai starb 2006. Er war ein koboldartiges Männchen mit blitzenden Augen, dessen Freundlichkeit und Weisheit aus einer anderen Zeit zu stammen schienen, ein fähiger Waldläufer der alten Schule,am ganzen mittleren Bikin bekannt und geachtet. Sein Spitzname bedeutet übersetzt etwa "In der Welt der Tiere". Für Iwan Dunkai war die Taiga der Ursprung aller Dinge, und der Tiger nahm darin einen Ehrenplatz ein. 2004 wurde er im Alter von etwa 75 Jahren vom britischen Dokumentarfilmer Sasha Snow interviewt. "Der Tiger ist ein listiges, aber gnädiges Geschöpf", erklärte Dunkai Snow damals. "Du weißt, dass er da ist, aber du kannst ihn nicht sehen. Er versteckt sich so gut, dass man ihn schließlich für unsichtbar hält, wie einen Gott. Die Russen sagen: 'Vertrau auf Gott, aber halte die Augen offen.' Wir [Nanai] verlassen uns auf uns selbst, beten aber, dass der Tiger uns helfen möge. Wir verehren seine Stärke."
     Als einer der erfahrensten Jäger von Krasni Jar betreute Dunkai ein großes Revier, das sich mit einem als Pantschelasa bekannten Gebiet überschnitt. Der Name stammt noch aus den Tagen der chinesischen Besetzung und bezieht sich auf eine Zone mit reichem Wildbestand von etwa 250 Quadratkilometern. Das rechteckige Pantschelasa wird von drei Flüssen umrahmt - dem Amba im Osten, dem Tachalo im Westen und dem Bikin im Süden. Laut dem Udihe-Gelehrten Aleksandr Kontschuga, einem von nur zwei Menschen, die je Bücher auf Udihe veröffentlicht haben, bedeuten diese Flussnamen Teufel, Feuer und Freude. Die ersten beiden sind Nebenflüsse des letzteren. Schon lange vor Markows Ankunft war dieses Gebiet also eine Schwelle zwischen Himmel und Hölle. Die Vorstellung des Amba - dasselbe Wort, das Dersu für "Tiger" gebrauchte - umfasst sowohl den Tiger wie einen bösen Geist oder Teufel, und das nicht nur, weil der Tiger teuflisch gefährlich werden kann.

Die Geisterwelt der Nanai, der Udihe und ihrer nördlichen Nachbarn, der Oroken, ist wie die der meisten Völker hierarchisch aufgebaut, und der Amba bewohnt eine der niederen,erdnahen Klassen. Sollte man das Pech haben und die Aufmerksamkeit eines Amba auf sich ziehen, wird er sich auf der persönlichen Ebene (im Gegensatz zur kosmischen) manifestieren. Oft nimmt er dann die Form eines Tigers an. Diese Vorstellung ist so tief verankert, dass der Tiger in Primorje noch heute "Amba" genannt wird, auch von Menschen, denen die andere Bedeutung nicht bekannt ist.** Aus irgendeinem Grund, vielleicht wegen ihrer Unberührtheit, gibt es im Pantschelasa ungewöhnlich viele Tiger. In diesem von Flüssen abgeschlossenen Gebiet, etwas westlich vom Amba-Fluss, hatte Markow mit Iwan Dunkais Erlaubnis seine Jagdhütte aufgestellt.
     Dunkai wohnte damals in einer eigenen Hütte etwa acht Kilometer im Südwesten an der sumpfigen, verflochtenen Einmündung des Amba in den Bikin. Nach dem Tod seiner zweiten Frau verließ Dunkai sein Haus in Krasni Jar und verbrachte fast seine gesamte Zeit in der Taiga, ähnlich wie es Dersu getan hatte, nachdem seine Familie den Pocken zum Opfer gefallen war. Dunkais Jagdrevier war viel zu groß für einen einzigen Jäger (ein ansässiger Russe verglich es großspurig mit Frankreich), und so teilte er es mit seinen Söhnen,von denen einer, Michail, seine Hütte direkt am Amba hatte, nordöstlich von Markows. Weder Michail noch sein Bruder Wasili, der weiter östlich jagte, schienen sich etwas daraus zu machen, dass Markow sich im Jagdgebiet ihres Vaters niedergelassen hatte. Ihrer Ansicht nach war Markow nur irgendein Tajoschnik, der zu überleben versuchte; er war normalnij - ein normaler Typ, nichts Außergewöhnliches.
     Die Einzelheiten ihrer Übereinkunft - falls die noch aus etwas anderem bestand außer einer Frage und einem Nicken - kannten nur Dunkai und Markow selbst. Beide waren umgängliche Männer, die die Taiga kannten und mochten und eine ähnliche Lebensweise teilten. Sie waren außerdem gute Freunde: Als Markow die Pantschelasa zuerst kennenlernte, hatte Dunkai ihm erlaubt, wochenlang bei ihm zu wohnen. Ihre Freundschaft war eng, aber vom Zufall bestimmt: Wenn einer eine Tasse Tee, ein paar Vorräte oder einen Platz zum Übernachten brauchte, half der andere aus. Wie die meisten Begegnungen im Wald waren ihre Treffen nicht geplant: Man musste sich nicht vorher anmelden, und es gab auch gar keine Möglichkeit dazu. Für Iwan Dunkai war Markow eine genauso vertraute Erscheinung im Wald wie die Tiger: Hin und wieder traf man aufeinander, meistens sah er nur die Spuren und fügte sie in die große Karte in seinem Kopf ein. "Die Taiga kann man wie ein Buch lesen", erklärte er. "Der Zweig ist gebogen - warum? Welches Tier ist hier vorbeigegangen? Der Zweig ist gebrochen - ein Mensch ist vorbeigegangen. Interessant! Wenn ein Tier einen plötzlich nicht mehr beachtet, hat es vielleicht ein anderes Tier gesehen. Also sollte man herausfinden, was seine Aufmerksamkeit ablenkt. So haben wir es gelernt, und so bringe ich es meinen Söhnen bei."
     An einem sonnigen Winternachmittag erzählte im Fernöstlichen Geografischen Institut bei Wladiwostok ein Tigerforscher namens Dimitri Pikunow eine Geschichte über Iwan Dunkai, die direkt aus Dersu the Trapper stammen könnte. Pikunow ist ein rotgesichtiger, robuster Anfangsiebziger mit durchdringenden blauen Augen und trägt das schüttere silberne Haar militärisch kurz. Er hat mehrere Jahrzehnte damit verbracht, die Tiger des Bikin-Tals zu erforschen und über sie zu schreiben, und war auch der Erste, der über Markows Tod berichtete, und zwar 1998 in der lokalen Naturzeitschrift Sow Tajgi ("Der Ruf der Taiga"). Wie Dunkai gehört auch Pikunow noch zur alten Schule, und wie die meisten frühen Tigerschützer ist er ein ehemaliger Jäger. Als ausgezeichneter Schütze hatte er den Rang eines Meisters des Sports und gehörte der nationalen Sportschützenmannschaft an. "Ich kann einfach klasse schießen", erklärt er ohne falsche Bescheidenheit.
     Pikunows Vater, angesehener Metallurg in einer Panzerfabrik, hatte allerdings andere Pläne mit ihm und drängte ihn,ebenfalls diesen Beruf zu ergreifen. Das hätte ihm ein sicheres und privilegiertes Leben praktisch garantiert, aber Pikunow war von der Jagd und vom Schießen so fasziniert, dass er sich für die Jagdaufseher-Ausbildung am Irkutsk-Institut bewarb.Die war damals gebührenfrei und die Konkurrenz folglich groß, aber Pikunow bestand mit Auszeichnung. Danach stellte die Pazifikflotte ihn als Leiter ihrer 5 000 Mitglieder zählenden Jägervereinigung ein. Von diesem Posten warb ihn später die Fernöstliche Abteilung des Umweltschutzministeriums als Forscher ab. "Damals verbrachte ich sechs Monate pro Jahr in der Taiga", erklärte Pikunow in einem schäbigen Büro mit großartigem Ausblick über die eisbedeckte Bucht Peters des Großen. "Sogar in den Ferien nahm ich mir ein Gewehr, unterschrieb einen Jagdvertrag für einen Eber oder einen Hirsch und verkaufte das Fleisch."
     Um seine Besessenheit von der Jagd zu erklären, zitierte Pikunow ein russisches Sprichwort, das sich eigentlich auf Wölfe bezieht: "Füttere ihn, so viel du willst; er wird sich immer nach dem Wald sehnen." Trotzdem sollte es zehn Jahre dauern, bis Pikunow einen Tiger zu Gesicht bekam. Es war an einem Flussufer, im Licht einer Taschenlampe. "Seine Augen leuchteten - grünlich-weiß", erinnerte sich Pikunow. "Er war riesig,aber überhaupt nicht aggressiv. Er stand nur da, seine Augen leuchteten die ganze Zeit."
     Eine von Pikunows Aufgaben bestand in der Zählung des Jagdwildbestands, was sich am besten im Winter erledigen lässt, wenn die Fährten leicht zu verfolgen und zu zählen sind.Tiger und Leoparden folgten natürlich denselben Spuren, und so stieß Pikunow dann auf seine lebenslange Leidenschaft. Ab 1977 verfolgte er Tiger quer durch die Landschaft, um in Langzeitbeobachtungen zu klären, wie viele Tiere sie erbeuteten - wichtige Informationen für die Behörden, die sich mit Habitatmanagement, Jagd und Jägern befassen. "Wenn ich eine Feldstudie durchführe", erklärte Pikunow, "habe ich immer ein Gewehr bei mir. Dadurch fühle ich mich sicherer. Aber ich glaube, dass ein Tiger erst dann aggressiv wird, wenn man ihn verletzt." Einmal folgte Pikunow sechs Wochen lang demselben Tiger und schlief buchstäblich in seinen Fußstapfen, genau wie Kaplanow 40 Jahre zuvor. "Selbst wenn ich den Tigern die ganze Zeit über auf der Spur blieb", erklärte er, "und Fleisch aus ihren Beutetieren schnitt, wurde keiner von ihnen jemals aggressiv gegen mich."
     Heute, nach einem schweren Herzinfarkt, hat Pikunow immer noch überraschend starke Hände - und entsprechende Ansichten. Unter seinen Kollegen sind die Meinungen über ihn geteilt, aber seine Sturheit lässt deutlich nach, wenn er sich an den Mann erinnert, den er als "Wanja" Dunkai kannte. Pikunow spricht von ihm mit demselben Respekt und derselben Anerkennung wie Arsenjew von Dersu, und zwar aus denselben Gründen. Im Laufe von drei Jahrzehnten haben die beiden Männer viele Monate zusammen auf der Suche nach Großwild in der Taiga verbracht, und Pikunow hat gut aufgepasst. Auch heute gehen die Tajoschniki im Winter oft mit einer einfachen Ausrüstung in den Wald, die nur aus wollgefütterten Filzstiefeln, einer Wollhose, einer Jacke und Fausthandschuhen besteht. Alles andere wird in einem losen Leinwandrucksack getragen; wenn es etwas Schweres, zum Beispiel Fleisch, zu tragen gibt, kann man ihn auf einen Rahmen aus gebogenem Ahornholz montieren, wie es die Udihe machen. Anstatt Schneeschuhe benutzt man hier ochotniki (eigentlich "Jäger"): kurze, breite traditionelle Skier, die viele Tajoschniki (auch Markow) selbst anfertigen.
     Im Winter 1974 spürten Dunkai und Pikunow gerade im Bikin-Tal Bären nach, als ein Schneesturm aufzog. Beim Aufbruch am Morgen hatte noch wenig Schnee gelegen, also hatten sie die Skier im Lager zurückgelassen. Als sie in den Schneesturm gerieten, waren sie davon weit entfernt und nicht für schlechtes Wetter ausgerüstet. Außerdem kann man im Wald nicht weit sehen, und bei Schneetreiben und Wind verliert man umso leichter die Orientierung. Der Schnee wurde jede Minute tiefer, und die beiden wussten, dass sie schnell handeln mussten. Pikunow wollte so rasch wie möglich in ihren sich zunehmend verwischenden Spuren zurücklaufen,aber Dunkai hielt an und zog ein Beil aus dem Rucksack.Er fällte einen ungefähr schenkeldicken Baum, schnitt den Stamm auf die Länge von Skiern zurecht und spaltete ihn in dünne Bretter. "Der Schnee lag schon hüfthoch", erinnerte sich Pikunow. "Ohne Skier wären wir da nicht herausgekommen, und Wanja schnitt sie ohne richtiges Werkzeug zurecht, er hatte nur ein Messer und ein Beil. Er konnte einfach alles."
     Außer dem Geschick, das die Russen "goldene Hände" nennen, hatte Dunkai noch ein außerordentliches Einfühlungsvermögen für seine Umgebung. In vieler Hinsicht glich sein Tagesablauf dem des Tigers: Wichtigster Bestandteil ist ein routiniertes Beobachten, Entziffern und geistiges Katalogisieren, oft entlang regelmäßig begangener Routen. Genau wie wir vielleicht die Katzen und Hunde der Nachbarschaft kennen, kannte Dunkai seine Nachbarn, darunter auch die Tiger. Und sie kannten ihn. Obwohl er über 70 Jahre in der Taiga verbrachte, viele davon zu Fuß oder in einem Zelt, hatte Dunkai nie ernsthafte Schwierigkeiten mit Tigern. Aber "Schwierigkeiten" ist ein relativer Begriff: Im Laufe der Jahre verlor er schon eine gewisse Anzahl Hunde. Hunde lösen scheinbar den Wolfstöter-Instinkt des Tigers aus, und sieschmecken gut. Schon viele Jäger, Bauern und Datscha-Besitzer im Fernen Osten haben morgens nur noch eine abgerissene Kette statt ihres Hundes vorgefunden. Als ein ehemaliger Hundebesitzer gefragt wurde, wie sich ein solcher Angriff anhöre, erwiderte er ironisch: "Es ist eher eine Stille."1 Aber das ist der Preis, wenn man im Revier eines Tigers zu tun hat - ein Tribut, und so war es schon immer.
     Iwan Dunkai wusste, dass es im Wesen des Tigers liegt, Hunde zu töten. Er wusste auch, dass er dafür einen Ausgleich bekommen würde. Besonders die Jäger der Udihe und der Nanai bemühten sich, den Tiger nicht zu reizen, vor allem, indem sie ihm aus dem Weg gingen, aber auch, indem sie ihm einen Anteil der Beute zurückließen. Gelegentlich erwiderten die Tiger diese Geste. Ortsansässige, sowohl Russen wie Einheimische, erzählten, dass Tiger "Onkel Wanja" Fleisch schenkten - manchmal einen ganzen Kadaver. Ein Außenstehender wird so etwas leicht als Zufall oder einfach als Märchen abtun, aber aus der Sicht eines traditionellen Tajoschniks ist es nur folgerichtig, weil er ja auch dasselbe für den Tiger getan hat.Dunkai fand dieses Arrangement nur vernünftig; schließlich wuchsen für ihn die Skier buchstäblich auf Bäumen und konnten nach Belieben gepflückt werden. Wenn die Wesen rundumher einen am Leben erhalten, dann ändert sich die Beziehung zu ihnen notwendigerweise; das Überleben - das körperliche und das psychische - bedingt das. "Der Tiger hilft mir",sagte Dunkai einmal, "weil ich ihn darum bitte."
     In einem gesunden Wald gibt es ein fast schon gezeitenartiges Hin und Her, demzufolge Nahrungsquellen genutzt und geteilt werden. Genau wie die unbeabsichtigte Höflichkeit des Spurens im Winterschnee ist das passive Weitergeben von Nahrung ein integraler Bestandteil des Zusammenlebens in der Wildnis. In diesem Sinne ähnelt die "Jagdkultur" von Raubtieren und Aasfressern stark dem marxistischen Ideal: "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen." Was die Planierraupe für das Anlegen von Pfaden im Schnee, ist der Tiger für die Nahrungskette: Effizienter geht es nicht mehr. Indem er regelmäßig große Beutetiere wie Elche,Wildschweine und Hirsche erlegt, verschafft der Tiger zahllosen kleineren Tieren, Vögeln und Insekten Nahrung, vom Boden ganz zu schweigen. Jedes dieser Beutetiere schickt einen Schub lebenspendendes Blut durch den Körper des Waldes.Diese unregelmäßigen, aber rhythmischen Lieferungen kommen auch dem Menschen zugute, und nicht nur wolfsähnlichen Jäger-Biologen wie Dimitri Pikunow. Die Jäger der Udihe und Nanai nehmen sich mitunter Fleisch von Beutetieren des Tigers, und ihre russischen Nachbarn auch.


* Mit "ethnischen Russen" ist hier die slawische Mehrheitsbevölkerung des Landes gemeint, die etwa 80 Prozent ausmacht und sich im europäischen Russland konzentriert.

** Amba ist ein tungusisches Wort (zu dieser Sprachfamilie gehören neben dem Mandschu unter anderem auch Udihe und Nanai). Ursprünglich bedeutet es etwa "groß". Die Mandschu eroberten 1644 Beijing und stellten danach bis 1911 die regierende Ching-Dynastie Chinas. "Amba" bezeichnete dort einen hohen Beamtendienstgrad.

Teil 3