Vorgeblättert

Lawrence Weiner: Gefragt und gesagt. Teil 1

29.11.2004.
(Absichtserklärung)

1. Der Künstler kann die Arbeit herstellen
2. Die Arbeit kann angefertigt werden
3. Die Arbeit braucht nicht ausgeführt zu werden
Jede Möglichkeit ist gleichwertig und entspricht der Absicht des Künstlers, die Entscheidung über die Ausführung liegt beim Empfänger zum Zeitpunkt des Empfangs

-------------------------
January 5-31, 1969, Ausst.-Kat., New York: Seth Siegelaub, 1969

*



ANMERKUNGEN ÜBER & ZUR KUNST


KUNST IST KEINE METAPHER FÜR DIE BEZIEHUNGEN VON MENSCHEN ZU GEGENSTÄNDEN & GEGENSTÄNDEN ZU GEGENSTÄNDEN IN BEZIEHUNG ZU MENSCHEN SONDERN EINE REPRÄSENTATION EINER EMPIRISCH BESTEHENDEN TATSACHE
SIE BESAGT NICHTS ÜBER DAS POTENTIAL & DIE FÄHIGKEITEN EINES GEGENSTANDES (MATERIALS) SONDERN PRÄSENTIERT EINE DIESE BEZIEHUNG BETREFFENDE REALITÄT

WENN EINE PRÄSENTATIONSSITUATION UM SICH SELBST ZU SCHÜTZEN (KONFLIKT GRUNDLEGENDER IDEOLOGIEN) EINEM KUNSTWERK KEINEN RAUM BIETEN KANN
MUSS ES (DAS KUNSTWERK) EINE STRUKTUR ERRICHTEN DIE FÄHIG IST ES (DAS KUNSTWERK) ZU TRAGEN
DOCH JEDE ALS TAUGLICH BEFUNDENE TRÄGERSTRUKTUR WIRD FAKTISCH LEGITIMIERT
VIELLEICHT KOMMT DIE DIALEKTIK ZUM SCHLUSS WENN DAS SYSTEM DER TRÄGERSCHAFT SICH ÄNDERT

1. DER KÜNSTLER KANN DIE ARBEIT HERSTELLEN
2. DIE ARBEIT KANN ANGEFERTIGT WERDEN
3. DIE ARBEIT BRAUCHT NICHT AUSGEFÜHRT ZU WERDEN
JEDE MÖGLICHKEIT IST GLEICHWERTEND UND ENTSPRICHT DER ABSICHT DES KÜNSTLERS DIE ENTSCHEIDUNG ÜBER DIE AUSFÜHRUNG LIEGT BEIM EMPFÄNGER ZUM ZEITPUNKT DES EMPFANGS


DER ZWECK & DIE ART EINER AUSFÜHRUNG BESAGT NICHT WIE SIE HERGESTELLT WERDEN SOLL FALLS SIE ES WIRD SONDERN WIE SIE HERGESTELLT WERDEN KANN FALLS ES SIE WIRD


DIE OFFENSICHTLICHE VERÄNDERUNG IN DER BEZIEHUNG DER KUNST ZU EINER KULTUR BESTEHT VIELLEICHT DARIN DASS DIE ERKLÄRUNG (NICHT NOTWENDIGE RECHTFERTIGUNG) DER EXISTENZ VON KUNST MIT DEM KONZEPT DER PRODUKTION IN VERBINDUNG GEBRACHT WORDEN IST
DIESE AUFFASSUNG UMGEHT ZWAR EINE GEWISSE FORM GESELLSCHAFTLICHEN UNBEHAGENS IST JEDOCH NICHT ZUTREFFEND
KUNST IST IN BEZIEHUNG ZUR GESELLSCHAFT EINE DIENSTLEISTUNGSINDUSTRIE

ES SCHEINT EINE VERNÜNFTIGE ANNAHME DASS LANGWIERIGE VERHANDLUNGEN MIT EINER ABWEISENDEN STRUKTUR NICHT DIE AUFGABE UND ODER DER NUTZEN DER KUNST ODER DES KÜNSTLERS SIND


DIE ARBEITEN HANDELN VON OBJEKTEN OHNE BESTIMMTE FORM.
WEDER DIE ARBEITEN NOCH DIE PRÄSENTATION HABEN EINE FORM BEVOR DAS BEDÜRFNIS AUFTRITT.


DIE REALITÄT DES KÜNSTLERS UNTERSCHEIDET SICH NICHT VON IRGENDEINER ANDEREN REALITÄT
ES IST DER INHALT DER DEN WAHRNEHMUNGEN UND BEOBACHTUNGEN EINES KÜNSTLERS (INNERHALB DER PRÄSENTATION KUNST) EINEN NUTZWERT IN DER GESELLSCHAFT GIBT
DIE ANERKENNUNG DES BEDÜRFNISSES NACH DIESER DISTANZIERUNG VON EINER GESELLSCHAFT (TATSÄCHLICH DAS BEDÜRFNIS SELBST) DURCH EINE GESELLSCHAFT DAMIT IHRE KUNST FUNKTIONIEREN KANN HAT ZU DER IRRIGEN ANSICHT GEFÜHRT DASS KUNST & KÜNSTLER AUSSERHALB DER GESELLSCHAFT STEHEN ES SEI DENN SIE FUNGIEREN NICHT ALS KUNST & KÜNSTLER


DIE ARBEITEN BENÖTIGEN EINE FORMALE SITUATION UM PRÄSENTIERT ZU WERDEN.
WÄNDE WURDEN GEBAUT UM ETWAS DARAUF ZU SETZEN.

JEDE AUSSCHMÜCKUNG EINES FORMALEN OBJEKTS MUSS BEDEUTUNG HABEN ODER EINE GRUNDLEGENDE VERÄNDERUNG DES ZUSTANDS HERBEIFÜHREN ODER SIE FÄLLT INS DEKORATIVE ODER SENTIMENTALE WAS LETZTLICH DAS AKZEPTIEREN DER FORDERUNG NACH ANPASSUNG BEDEUTET.


EIN KONZEPT (IDEE) EINER BEMÜHUNG (ARBEIT) OHNE (      ) ENGAGEMENT IST KEINE VERNÜNFTIGE ANNAHME


WENN ES WIE EINE ENTE LÄUFT & WIE EINE ENTE QUAKT IST ES WAHRSCHEINLICH EINE ENTE.


DER NATÜRLICHE GEGENSTAND (SELBST) IST IMMER EIN ADÄQUATES SYMBOL

JEDE HANDLUNG MUSS FOLGEN HABEN

JEDE LINIE HAT BEDEUTUNG

PERMANENTE BERÜCKSICHTIGUNG ÄSTHETISCHER KONZEPTE DER VERGANGENHEIT VERBRAUCHT GEGENWÄRTIGE RESSOURCEN IN EINEM AUSMASS DASS WENN SICH DAS BEDÜRFNIS & VERLANGEN NACH EINER GEGENWÄRTIGEN ÄSTHETIK BEMERKBAR MACHT DIE RESSOURCEN ERSCHÖPFT SIND


FRAGE: WIE BESTIMMT MAN DIE AUTHENTIZITÄT EINER ÜBERLIEFERTEN ERZÄHLUNG (MYTHOS) UM ZU VERHINDERN DASS EINE FALSCHE GESCHICHTE ERZÄHLT WIRD?

ANTWORT: WIE KANN MAN ZWISCHEN EINER DUMMEN GESCHICHTE & EINER ANDEREN DUMMEN GESCHICHTE UNTERSCHEIDEN


JEDES BEWUSST EINGESETZTE MITTEL DER PRÄSENTATION BILDET EINE THEATRALISCHE GESTE

JEDE INTELLEKTUELL BESTIMMTE TÄTIGKEIT IST THEATRALISCH

DAS MITTEL UM ZU ERREICHEN DASS DIE PRÄSENTATION EINER PRÄMISSE ÜBER DIE BEZIEHUNGEN VON GEGENSTÄNDEN ZU GEGENSTÄNDEN GESEHEN WIRD.
DIE SUCHE NACH EINEM ANDEREN SOCKEL ALS DER ERDE SELBST UM EIN OBJEKT OHNE BESTIMMTE FORM (DIE KUNST) INNERHALB EINES FORMALEN KONSTRUKTS (DER KULTUR) ZU PLAZIEREN.

DIE ARBEIT MUSS FÄHIG SEIN ZU EXISTIEREN UND IN FREIEM FLUSS ZU BLEIBEN MIT ODER OHNE HILFE DER STRUKTUR WIE DIE MEISTEN VEKTOREN:
DAS EINBRINGEN IN DEN STROM EINER KULTUR GENÜGT.
ZU WELCHEM ZWECK DIE ARBEIT FUNKTIONIERT.
WELCHEM GEBRAUCH SIE ZUGEFÜHRT WIRD HÄNGT AB VON DER INTENTION UND DEN BEDÜRFNISSEN DES SOCKELS.


ALLE KUNST IST AUS ZORN GEMACHT.


DIE BEDEUTUNG LIEGT IN DER BEZIEHUNG VON MENSCHEN ZU GEGENSTÄNDEN.

IN DER STRUKTUR LIEGT EIN VERSUCH IN EINER ANZAHL VON ARBEITEN EINEN SINN ZU SEHEN.
DIESER VERSUCH GEHT JEDOCH AN DER SACHE VORBEI.
DIE ARBEITEN WURDEN GEMACHT GESTALTET UND PRÄSENTIERT UM BEDEUTUNG ZU HABEN.
JEDES OBJEKT DAS AUF DEM TISCH PLAZIERT WIRD MUSS IN SEINER BEDEUTUNG IN SEINEM SINN DIE MÖGLICHKEIT VON VERÄNDERUNG ENTHALTEN.


----------------------------------
Et tous ils changent le monde, Lyon 93: deuxieme biennale d'art contemporain, Ausst.-Kat., Paris: Reunion des Musees Nationaux/Biennale d'Art Contemporain, 1993

Teil 2