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Mo Yan gewinnt den Nobelpreis für Literatur

11.10.2012. Der Nobelpreis für Literatur wurde dem chinesischen Schriftsteller Mo Yan verliehen, der "mit halluzinatorischem Realismus Volkssagen, Geschichte und die Gegenwart verbindet", wie es in der Begründung heißt.
Der Nobelpreis für Literatur wurde dem chinesischen Schriftsteller Mo Yan verliehen, der "mit halluzinatorischem Realismus Volkssagen, Geschichte und die Gegenwart verbindet", wie es in der Begründung des Nobelpreis-Komitees heißt.

Mo Yan wurde 1956 in Gaomi in der Provinz Shandong in eine Bauernfamilie geboren. Eine kurze Biografie findet man beim Unionsverlag. Der Guardian bloggt live Informationen und weiterführende Links zu Mo Yan.

In Deutschland ist Mo Yan vor allem mit seinem 2002 auf Deutsch erschienenen Roman "Die Schnapsstadt" bekannt geworden. Und mit der Verfilmung seines Romans "Das rote Kornfeld" durch Zhang Yimou. Der Film gewann 1988 bei der Berlinale den Goldenen Bären.

Ein großer Verehrer Mo Yans ist Martin Walser, der 2009 bei der Verleihung eines Preises für seinen Goetheroman "Ein liebender Mann" in China eine kleine Hommage an Mo Yan brachte (kurzes Zitat). Johnny Erling berichtete damals in der Welt über die Begegnung der beiden.

Bei der Buchmesse 2009 erntete Mo Yan einige Kritik, als er mit der offiziellen chinesischen Delegation aus Protest gegen die Teilnahme chinesischer Dissidenten bei einem Literatursymposium den Saal verließ. Laut Welt-Korrespondent Johnny Erling antwortete Mo Yan später in einem Interview mit der Zeitschrift Zhongguo Xinwen Zhoukan (China Newsweek) seinen Kritikern, er habe nun mal zur offiziellen Delegation gehört und keine Wahl gehabt: "Sehr viele sagen jetzt über mich: Mo Yan ist ein Staatsschriftsteller. Daran stimmt, dass ich ebenso wie die Autoren Yu Hua und Su Tong ein Gehalt vom Künstlerforschungsinstitut des Kulturministeriums beziehe und darüber sozial- und krankenversichert bin. Das ist die Realität in China. Im Ausland haben alle ihre eigenen Versicherungen. Aber ohne Anstellung kann ich es mir nicht leisten, in China krank zu werden. Ich kann verstehen, wenn Ausländer mich (für den Auszug aus dem Saal) kritisieren. Wenn die Kritik aber von meinen chinesischen Landsleuten kommt, dann ist das unverschämt."

Fünf Romane Mo Yans wurden bisher ins Deutsche übersetzt: "Das rote Kornfeld", "Die Schnapsstadt", "Die Knoblauchrevolte", "Der Überdruss" und "Die Sandelholzstrafe". 11 Romane hat er geschrieben, informiert 3sat auf seiner Webseite. "Seine Themen sind mal historisch, mal aktuell. Sein Stil ist schonungslos und oft drastisch. 'Die Sprache meiner Romane, besonders in den frühen Werken, ist hart und direkt', erklärt Mo Yan. 'Jedes Zeichen kommt wie aus der Pistole geschossen, mit tödlicher Kraft. Diese Sprache ist aber keine Erfindung von mir. Ich habe diese Ausdrucksweise im Alltagsleben, in der Umgangssprache meiner Heimatprovinz gelernt.'"