Yiyun Li

Schöner als die Einsamkeit

Roman
Cover: Schöner als die Einsamkeit
Carl Hanser Verlag, München 2015
ISBN 9783446249066
Gebunden, 352 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Anette Grube. Peking, Ende der achtziger Jahre: Drei ungleiche Freunde wachsen im gleichen Häuserblock auf. Ruyu, ein streng katholisch erzogenes Waisenmädchen aus der Provinz, und die wohlhabenden, aber vernachlässigten Boyang und Moran. Doch als eine weitere Freundin, Shaoai, vergiftet wird und ins Koma fällt, geht ihre Freundschaft auseinander. Shaoai hatte mit dem Tiananmen-Aufstand sympathisiert, der Vorfall wird nicht geklärt. Boyang macht danach im modernen China als Geschäftsmann Karriere und bleibt doch ähnlich heimatlos wie Ruyu und Moran nach ihrer Emigration in die USA. Als nach zwanzig Jahren die Nachricht vom Tod Shaoais kommt, holt sie alle die verdrängte Vergangenheit wieder ein.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2016

Sie ist der Star der chinesischen Exilliteratur, annonciert Rezensent Andreas Breitenstein die 1972 in Peking geborene, seit 1996 in den USA lebende Autorin Yiyun Li. Ihre Bücher seien von "stupender Qualität", so auch der jetzt auf Deutsch vorliegende Roman "Schöner als die Einsamkeit". Yiyun Li schildert darin die chinesische Gesellschaft nach dem Massaker auf dem Tiananmen-Platz: Stinkreich werden die einen, die anderen, wie die Sympathisantin der Demokratiebewegung Shaoai werden für ihr Engagement bestraft. Sie nimmt Gift und liegt daraufhin 21 Jahre im Koma, erzählt Breitenstein. Andere emigrieren in die USA. Das ist oft traurig, aber zugleich mit großer Sympathie für die ihren Weg suchenden "gemarterten Kinder" Chinas, lobt Breitenstein, den dieser Roman offenbar tief beeindruckt hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.12.2015

Chancen, ins Chinesische übersetzt zu werden, hat der Roman von Yiyun Li laut Thorsten Keller kaum. Dafür scheint er Keller zu pessimistisch, zu kritisch gegenüber China und einer zwischen Repression und Raubtierkapitalismus gefangenen Generation, meint er. Wie die in den USA lebende Autorin die Leben ihrer vier jungen Hauptfiguren aus den Ereignissen um das Massaker von Tiananmen heraus entwickelt, in Rückblenden auffächert und mit dem laut Rezensent deutlichen Hinweis auf die Unzuverlässigkeit der Erinnerung dem Leser darbietet, findet Keller imposant. Dass Lis Helden jedes Mitgefühl abgeht, setzt ihm zwar zu, macht die Lektüre für ihn jedoch auch zu einer erhellenden Erfahrung.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 21.11.2015

Als eindrucksvoll trotz der ein oder anderen Schwäche bezeichnet Gisela Trahms diesen Roman von Yiyun Li, der drei mit dem Tiananmen-Massaker verbundenen Lebenswegen nachspürt. Auch wenn die Rezensentin zunächst kaum zu sagen weiß, ob es sich um einen Thriller oder um eine Liebesgeschichte handelt, nimmt sie der Text gefangen. Zum einen, da sich in den Figuren das Trauma spiegelt, vor allem aber, weil die Autorin auf ungewohnte, durchaus spröde und kühle Weise, wie Trahms findet, eindringlich schreibt. Für die Rezensentin eine neue, eine starke Leseerfahrung.
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