Wulf Kirsten

erdlebenbilder

gedichte aus 50 jahren 1954-2004
Cover: erdlebenbilder
Ammann Verlag, Zürich 2004
ISBN 9783250104643
Gebunden, 416 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Eberhard Haufe. Mit einem Wörterverzeichnis. Wulf Kirsten ist in der Nachfolge Johannes Bobrowskis und Peter Huchels einer der großen Dichter in deutscher Sprache. Am 21.Juni 2004 feiert er seinen 70.Geburtstag. Aus diesem Anlass erscheint diese Sammlung alter und neuer, bislang unveröffentlichter, Texte, welche die Entwicklung eines Dichters aufzeigt, der sich von Anfang an, wie die ersten Texte belegen, zur Aufgabe gemacht hat, der Sprache jene Gefühlsfelder wiederzugewinnen, die in den Worten bewahrt sind. Sein Blick richtet sich denn weniger auf seine gesellschaftskritische Zeitgenossenschaft als auf die ihn umgebende üppigreiche Natur, wenn auch die Zeitgeschichte stets im Hintergrund miterlebt ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2004

Walter Hinck rührt kräftig die Werbetrommel für Ulf Kirstens Band "erdlebenbilder", der Gedichte aus fünfzig Jahren versammelt. Obwohl er von seiner Herkunft her eigentlich prädestiniert gewesen sei für "einen Vorzeigeautor des Arbeiter-und-Bauern-Staates", sei der langjährige Lektor des Weimarer Aufbau Verlags immun geblieben gegen die Kunstdoktrin der DDR, gegen "Erdschollen-Mystizismus" und den "Jubelton der Traktorenpoesie", schreibt Hinck. Kirsten widme sich in seinem lyrischen Werk zwar "Landschaft und Natur", verfalle jedoch weder einer Naturmetaphysik noch ökologischem Fundamentalismus. Er raue statt dessen, immer nah am Volksmund, die Oberflächen der Sprache auf, halte sich ans "sinnlich-konkrete Detail", wobei er sich auf "eigene Erfahrungen der Kindheit und Jugend" beziehe. Schwachpunkte des Buches: "In der Satire ist die Lyrik Kirstens nicht in ihrem eigentlichen Element." Zudem vermisse man, so Hinck, "Hinweise auf vorhergehende Publikationen, deren Gedichte in diesen Sammelband eingegangen sind".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.06.2004

Michael Braun nutzt die Rezension des Gedichtbandes mit dem lyrischen Gesamtwerk von Wulf Kirsten zu einer Würdigung zum 70. Geburtstag des Lyrikers. Der Rezensent schreitet die Stationen von Kirstens Werdegang ab, von seiner Kindheit bei Dresden über seine Studienjahre in Leipzig bis zur Verleihung des Peter-Huchel-Preises 1986, und rühmt ihn als einen der ersten Lyriker, der in seinen Gedichten die Zerstörung der Umwelt angeprangert hat. Braun erkennt in den Naturgedichten die Vorbilder Peter Huchel und Johannes Bobrowski, preist den Lyriker aber dennoch als den "eigensinnigsten deutschen Dichter" und als "Spracharchäologen", der durch seine Mitarbeit an einem "Wörterbuch der obersächsischen Mundarten" sein Sprachgefühl geschärft hat. Insbesondere in der späten, zum Teil bisher unveröffentlichten Gedichten sieht der Rezensent eine Auflehnung Kirstens gegen die "bittere Einsicht in die Verlorenheit der Welt".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.03.2004

Wulf Kirsten gehörte nie zu den Wald- und Wieseneskapisten, stellt Rolf-Bernhard Essig den siebzigjährigen Naturlyriker aus Sachsen vor, dessen Lebenswerk nun mit einem Sammelband geehrt wird, in dem rund 250 Gedichte aus den vergangenen fünfzig Jahren, darunter einige unveröffentlichte, enthalten sind. Trotzdem spielen Feld und Wiese bei Kirsten stets eine Rolle, weiß Essig, als Lebensraum unzähliger Pflanzen- und Tierarten, als Bauernland, später dann Agrarsteppe, die durch das gigantische Kollektivierungsprogamm der DDR verursacht wurde. Wie eine "Wundersamentüte" erscheinen Essig vor allem die frühen Gedichte, die teilweise Namen und Begriffe enthalten, die heute niemand mehr kennt, "keimfähige Worte", freut sich der Rezensent, die bei der Lektüre auf fruchtbaren Boden fielen. Kirsten sei ein "Mann der leisen Töne", charakterisiert ihn Essig, doch seine Gedichte verlangten danach, laut gelesen zu werden. Essig kann sich Kirsten mit seinen humorvollen, kräftigen, binnenreimreichen Versen ohne weiteres bei einem Poetry Slam vorstellen, so als läse Quirinus Kahlmann mit August Stramm, Ernst Jandl und Arno Schmidt im Quartett, feixt Essig.
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