Jürg Halter

Ich habe die Welt berührt

Gedichte
Cover: Ich habe die Welt berührt
Ammann Verlag, Zürich 2005
ISBN 9783250104803
Gebunden, 96 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Jürg Halter hat ein Programm: "Ich kaufe mir in Japan einen Sack mit Kohle/und schreibe mir mit einem Stück Kohle einen Oberlippenbart/wie ein Haiku unter die Nase." Jürg Halter scheint in der Tat "die Welt berührt" zu haben. Und seine Gedichte künden davon in einem ungewohnten Ton. Hier wird die Welt neu gewürfelt und arrangiert, hier wird kühn drauflos gemixt, was noch nie zuvor kombiniert wurde: Shaka Zulu und ein Berlin-Gedicht, postmoderne Avantgardereflexionen und Aromapartikel, vor allem aber die Lust am Text und am Klang der Worte. Die Kritik an den festgefahrenen Prinzipien unserer Gesellschaft (und dem Gewaltpotential der Sprache und ihrer Bilder) verdichtet sich in Halters Gedichten zu einer fiktiven Weltreise von Österreich über Spanien, Tibet, Surinam, die USA bis zur weiten Freiheit der finnischen Seen

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.09.2005

"Dieser Mensch hat einen Hau", befindet Nicolai Kobus über Jürg Halter, aber abgesehen davon, dass der junge Dichter manchmal ein klein wenig über sein Ziel hinausschießt, meint er das durchaus als Kompliment. Die Gedichte seien oft so "exaltiert" und "verschraubt", dass man kaum wisse, worum es eigentlich gerade geht, aber "schnurrig unterhalten" fühle man sich trotzdem, und das sei ja nicht zu verachten. Manchmal wolle Halter ein bisschen verbissen originell sein, oft ist er es aber auch einfach mühelos. Die einzige Konstante dabei bleibt ein Ich, das oft kein Lyrisches Ich sein kann, das aber auch nicht der Autor ist - "Ich, ein Blatt", darüber kann man schon mal nachdenken. Es gelingt Halter hervorragend, lobt Kobus, mit Klischees und Haltungen der Poesie zu spielen, ohne dabei jemals die Pfade der Ironie zu verlassen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.07.2005

Der Autor ist 25 Jahre jung und ein erklärter "Performance Poet", erläutert Rezensent Samuel Moser den Kontext von Jürg Halters erstem Gedichtband. Gleichwohl hat Moser genau mit dieser "Performance" seine Schwierigkeiten, wenn sie in den Gedichten selbst stecke. Auch noch die "leisen Untertöne" in Halters Lyrik seien auf Effekt aus und gehörten zur "Inszenierung". Als ein "Spiel" versteht Moser diese Gedichte, in der keine Regeln, dafür aber die "Willkür" des Autors am Werke sei. Paradoxerweise schließe diese Herangehensweise das "Unkalkulierte, das Überraschende" aus und reduziere die Kunst zur "Pose". Neben aller Kritik haben Halters Performance-Gedichte den Rezensenten aber auch zu schönen Sätzen inspiriert. Einer lautet: "Halters Gedichte zeigen nabelfrei, worum es ihnen geht: um das Ich, um welchen das Ich sich dreht".