Wolfgang Schömel

Ohne Maria

Roman
Cover: Ohne Maria
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2004
ISBN 9783608935707
Gebunden, 299 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Er kann Maria nicht vergessen, seine Geliebte, die zweimal aus seinem Leben verschwand. Nun liegt er auf der Couch und redet. Über unsichtbar geknüpfte Fäden, die sein Leben bestimmt und an den Abgrund geführt haben. Ein außergewöhnlicher Einblick in ein Männer-Innenleben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.01.2005

"Selbstvernichtungsprosa", konstatiert Martin Krumbholz nach der Lektüre von Wolfgang Schömes Roman "Ohne Maria" und hätte ihn vielleicht gar nicht zu Ende gelesen, wäre er nicht so unglaublich spannend. Ein "radikales Buch" sei es, das sich "nicht ohne Beklemmung" lese, denn "62 Kapitel lang wird jeder braven bürgerlichen Selbstzufriedenheit der Kampf angesagt". Das Setting erinnert an eine "psychoanalytische Redekur", zwei Männer sitzen sich gegenüber, reden und vermeiden gleichzeitig, sich anzuschauen. Madle, Ich-Erzähler des Romans, ist Ghost-Writer und soll die Lebensgeschichte seines älteren Gegenüber in ein Buch verwandeln. Was beide nicht wissen: Ihre Schicksale sind eng miteinander verzahnt. Madles Klient, dessen Frau sich umgebracht hat, ist der Vater von Maria. Madle liebt Maria, deren Spur er jedoch verloren hat. Später wird auch sie sich umbringen und Madle in eine Verzweiflung stürzen, die selbstzerstörerische Formen annimmt. "Die Liebe ist die utopische Kehrseite, gewissermaßen das Negativ des grandiosen Selbsthasses, der alle Schichten und fast alle Figuren des Romans wie eine Pestspur durchzieht." Am Ende ist aber doch von "scheuer Hoffnung" die Rede, wie der Rezensent erleichtert zur Kenntnis nimmt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2004

Beeindruckt zeigt sich Andrea Neuhaus von Wolfgang Schömels Romandebüt über den schwermütigen Philosophen Christoph Madle, der auf der Analyse-Couch seiner Geliebten Maria nachtrauert. In Schömels unglücklichen Helden Madle erblickt sie einen "Virtuosen der Traurigkeit". Der Autor schreibe sich mit "seismographischem Gespür für Erschütterungen" in die Seelenwelt eines trauernden Mannes hinein. Präzision und Langsamkeit verliehen dem Roman eine subtile Eleganz. Allerdings schimmere ab und zu hinter der Feinzeichnung der Details allzu deutlich die Absicht durch. Manche Parallelen und Wiederholungen, die offenbar die Möglichkeit psychoanalytischer Erkenntnis suggerieren sollen, wirken auf Neuhaus "zu konstruiert". Nichtsdestoweniger fällt die Rezensentin insgesamt ein positives Urteil: ein "lebenskluges Buch".
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