Wolfgang Schneider

Frauen unterm Hakenkreuz

Cover: Frauen unterm Hakenkreuz
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2001
ISBN 9783455093377
Gebunden, 384 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Frauen galten nach der NS-Ideologie als natürliche ?Gefolgschaft? des Mannes, traditionell eingebunden in Haushalt und Familie. Und dennoch kam es unter dem Diktat des Krieges zu unfreiwilligen Ansätzen partieller Gleichberechtigung. Wolfgang Schneider widerlegt das Pauschalurteil, das Dritte Reich habe die Frauen entrechtet, versklavt und zu Gebärmaschinen degradiert. Mit Fortschreiten des Krieges übernahmen Frauen immer entscheidendere Aufgaben an der so genannten Heimatfront. Den Wandel des Frauenbildes im Nationalsozialismus zeichnet der Autor in vier zeitlich geordneten Abschnitten nach. Dem Haupttext vorangestellt, bündelt eine thematische Chronik alle wichtigen Daten für den Gesamtzeitraum 1933 bis 1945.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.08.2001

Elke Schubert hat sich schon von dem "vollmundigen" Vorwort des Journalisten Wolfgang Schneider, in dem zu lesen ist, dass er die komplexeste Darstellung über Frauen im Nationalsozialismus vorzulegen gedenke, nicht beeindrucken lassen. Sie ist nach der Lektüre des populärwissenschaftlichen Werkes von Schneider zu einem anderen Ergebnis gekommen: komplex sei hier gar nichts, Schneider habe sein Augenmerk lediglich auf die Familien- und Arbeitspolitik der Nazis gelegt. Über Zwangarbeiterinnen, Frauen im Widerstand, Frauen in den KZs und Täterinnen berichte Schneider nur am Rande, "pflichtschuldig", weil es die dann ja auch noch gab, ärgert sich die Rezensentin, der Schneiders Konzentration auf die "deutsche Frau" eher missfallen hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.07.2001

Die Rezensentin Dagmar Pipping ärgert sich heftig über Wolfgang Schneiders Studie, der sie vorwirft, zu undifferenziert und einseitig mit dem Thema zu verfahren. Es entsteht der Eindruck, so Pipping, als hätte es nur angepasste deutsche Frauen gegeben, die unter der Herrschaft des Nationalsozialismus nahezu gemütliche Schatten- oder Nischenexistenzen geführt hätten. Den Grund dafür findet die Rezensentin in Schneiders Quellenwahl: Schneider spreche über die Frauen zumeist aus der Sicht Hitlers, Himmlers oder der Gestapo. So entstehe aber ein Bild deutscher Frauen als bloßer privilegierter Mitläuferinnen. Seine Einschätzung der Frauen ("Zuchtstuten" oder "Arbeitspferde") erklärt Schneider ideologisch mit der hohen Bedeutung der Mutterschaft für die Nationalsozialisten. Das findet Pipping zu harmlos. Denn die wirklich interessanten Fragen bekomme Schneider so nicht in den Blick. Weder beziehe er Frauen als Widerständlerinnen noch als Täterinnen, etwa als KZ-Aufseherinnen in die Untersuchung ein. Pipping fragt sich schließlich, ob ein Geschichtsbuch; das weder über den Stand der Forschung noch über die Herkunft seiner eigenen Quellen Auskunft erteile, überhaupt an einem Diskurs über den Nationalsozialismus interessiert sei.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.04.2001

Knapp bis kaum vorhanden seien die Kapitel über "Frauen als Täterinnen" in den beiden Büchern ausgefallen, rügt Elisabeth Bauschmid, die aber auch viel Interessantes und Lesenswerte darin gefunden hat.
1) Barbara Distel (Hrsg.): "Frauen im Holocaust"
Unbehagen hätte sie beschlichen, gesteht Bauschmid, angesichts dieses Buches. Sei nicht die Ungleichheit der Geschlechter zweitrangig angesichts der Gleichheit im Tod, fragt sie gemeinsam mit Ruth Bondy, einer Überlebenden aus Theresienstadt. Vor dieser Gleichheit im Tod muss jede Untersuchung kapitulieren, meint die Rezensentin, aber im Leben der Todeskandidaten hätte es dennoch - geschlechterspezifische - Unterschiede gegeben, denen das Buch in verschiedenen Sequenzen nachgehe. Es war beispielsweise leichter, jüdische Mädchen als beschnittene Jungen zu verstecken, berichtet sie, Frauen erwiesen sich teilweise als zäher im täglichen Überlebenskampf, auch wenn sie, im Arbeitslager, tatsächlich weniger Lohn erhielten als die Männer - wie im richtigen Leben. Die KZ-Aufseherinnen wiederum seien nicht weniger grausam als ihre männlichen Kollegen gewesen.
2) Wolfgang Schneider: "Frauen unterm Hakenkreuz"
Weniger gut kommt das Buch Schneiders in der Besprechung von Elisabeth Bauschmid weg. Nicht nur, dass sie die bloß "zehn Zeilen Text" zum Kapitel NS-Täterinnen ärgerlich findet, womit sie die "feministische Mär" unterstützt sieht, Frauen seien bloß Opfer des Nationalsozialismus gewesen (die u.E. keiner mehr so behauptet), auch in den anderen vier Abschnitten des Buches, chronologisch von 1933 bis 1945 vorgehend, mit kurzer Einführung und anschließendem Dokumentationsteil, leuchtet ihr die Raffung der geschichtlichen Abläufe sowie die Auswahl der Dokumente oftmals nicht ein. Erstens gebe es bei den Texten Doppelungen, moniert die Rezensentin, zweitens handele es sich überwiegend um Propagandamaterial, das bloß "das offizielle Frauenbild bedient".
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