Wolfgang Rohner-Radegast

Kinderblitz, Jambudvipa - aus dem Großen Sutra Kinderblitz (Weltumsegler) - (1924-1994)

Band I (Erstes und zweites Buch)
Cover: Kinderblitz, Jambudvipa - aus dem Großen Sutra Kinderblitz (Weltumsegler) - (1924-1994)
Edition Isele, Eggingen 2000
ISBN 9783861421023
gebunden, 741 Seiten, 65,45 EUR

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.06.2000

Die erste Hälfte dieses "Riesenromans" von 3300 Seiten, so Friedhelm Rathjen, ist hier in einer ersten Lieferung erschienen. Der Autor hat Jahrzehnte an diesem "Jahrhundertroman" geschrieben; ob er davor schon etwas veröffentlicht hat, erfährt der Leser der Besprechung nicht. Rathjen gibt sich alle Mühe, Erzählstränge und -motive aus diesem dicken Klops von Buch herauszufiltern, das mit allen "erdenklichen drucktechnischen Tricks" das "Gegen-, Mit- und Nebeneinander der Erzähl- und Bewusstseinsgeschichten" zu verdeutlichen sucht. Hilfreich sind jedoch meist nur Zusammenfassungen wie: "was darin erzählt wird erstreckt sich von 1924 bis 1994 von Mecklenburg bis Mallorca, von der Ukraine bis Teneriffa, vom geteilten Berlin bis ins vielgestaltige Bombay" oder "Arno Schmidt versöhnt sich mit Gertrude Stein, mit Proust, mit Musil und mit Joyce sowieso". Auf diese Weise zeichnet Rathjen ein Bild, dem zu entnehmen ist: es geht vor allem um die Biografie, die "Lebensreise" von Rohner-Radegast selbst. Der Expressionismus und die Psychoanalyse, sexuelle Initiation, Krieg, Nachkrieg und Flucht nach Indien sind ebenso Gerüst und werden zu Versatzstücken wie alles Gelesene (Kafka vor allem) und die sich aus allem zusammen ergebenden Fragen nach Ich, Welt und Sinn. Rathjen versichert, dies sei kein mystischer, sondern ein literarischer Text, die "spezielle Ästhetik des Widerstands" von Rohner-Radegast, dessen "eindrucksvoller" Text nach ein wenig Einlesen sogar "glasklar" wird. Die wenigen kurzen Zitate - Hitler als "Nasenfliege", der "weltallmachtvolle Mutterschoß", das "Arschabendland", die "Scheißbundesrepublik" - wirken allerdings sprachlich eher hilflos und man fragt sich, ob die drucktechnischen Spielereien und das gewiss interessante Leben und Denken dieses Autors ausreichen, sein Werk als "Neuerfindung des Romans des 20.Jahrhunderts" zu apostrophieren, wie Rathjen es tut.

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