Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2000
In einer Doppelrezension bespricht Georg Sütterlin zwei Bände von Maori-Autoren. Dabei gibt er einleitend einen Überblick über die Geschichte mündlicher und schriftlicher Überlieferungen bei den Maori und informiert den Leser über die lange Jahre anhaltende Unterdrückung dieser Sprache, die erst in den letzten Jahren - auch von offizieller Seite gefördert - eine Renaissance erlebt. Darüber hinaus gibt Sütterlin einen Einblick in die verschiedenen Gattungen, die in der Maori-Tradition eine Rolle spielen. So wird beispielsweise unterschieden zwischen "internen" Texten und solchen, die für Weiße geschrieben sind. Bei beiden Bänden hebt Sütterlin die "hübsche Ausstattung" beider Erzählbände hervor.
1.) Witi Ihimaera: "Aroha. Maori-Geschichten aus dem Jadeland" (Edition Isele)
Sütterlin weist darauf hin, dass Ihimaera zu den bekanntesten Maori-Autoren zählt und der Verlag mit diesem Band "einen Querschnitt durch sein erzählerisches Schaffen" vorgelegt hat. Thematisch im Vordergrund stehen in diesen Geschichten - so Sütterlin - vor allem Betrachtungen über Familie, Stammesangelegenheiten, die Herkunft und das Bewusstsein darüber sowie die "Wertschätzung der Natur". Dabei gefällt dem Rezensenten besonders, dass der Autor nichts beschönigt und vor allem "schnörkellos realistisch" erzählt. Sütterlin vermutet, dass diese Erzählweise noch stark von der Tradition der mündlichen Überlieferung geprägt ist, da die Maori-Literatur "erst am Beginn ihrer Ausformung zu einer künstlerischen Erzählform steht".
2.) "Tangata, Tangata. Maori-Geschichten" (Edition Isele)
An diesem Sammelband von Texten verschiedener Maori-Autoren gefällt dem Rezensenten vor allem die Unbefangenheit und die Tatsache, dass bei den Schilderungen aus dem Alltag "in einer Welt, die nicht mehr die ihre ist" auf jegliche "Selbststilisierung" verzichtet wird. Auch hier betont Sütterlin das Realistische in der Erzählweise, auch wenn sich die Autoren in thematischer Hinsicht mit durchaus unterschiedlichen Aspekten befassen.
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