William S. Burroughs

Naked Lunch

Die ursprüngliche Fassung
Cover: Naked Lunch
Nagel und Kimche Verlag, München 2009
ISBN 9783312004270
Gebunden, 377 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Michael Kellner. "Naked Lunch", eines der wichtigsten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts, liegt erstmals vollständig vor. Von Fehlern bereinigt, um alle unterdrückten Passagen ergänzt, enthält die Neuausgabe dieses Klassikers der Beat-Generation einen Anhang mit Briefen des Autors sowie ein Nachwort, das die abenteuerliche Publikationsgeschichte des Buchs erzählt. Zum 50. Jahrestag ihrer Erstpublikation ist die Bibel der Gegenkultur Amerikas in neuer Übersetzung neu zu entdecken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2009

Es ist so: Der Roman ist ein radikales, schockierendes Underground-Happening, noch immer. William S. Burroughs satirischer Aderfluss in diesem Werk hat, findet Wolfgang Schneider, sogar an Aktualität gewonnen (Stichwort "Islam-AG"). Allerdings handelt es sich bei dem hier vorliegenden Exemplar um eine großspurig annoncierte Rückkehr zur Urfassung. Und da muss Schneider dann doch einhaken. Denn seine freudige Erwartung früherer Textstufen wird jäh gedämpft. Im Nachwort nämlich kommt es raus: Die Herausgeber ducken sich weg vor den betonharten Leseerwartungen eingefleischter Fans und beziehen sich auf die hinlänglich bekannte Fassung der Grove-Ausgabe! Schneider kann's nicht glauben. Nach dem anfänglichen Schreck entdeckt er dann doch noch ein paar Eingriffe (verlorengegangene beziehunsgweise alternative Passagen, eine Verschärfung des Tons), die ihn aufatmen lassen. So richtig versöhnt wird der Rezensent allerdings erst durch die Neuübersetzung von Michael Kellner. Die nun macht für ihn Burroughs' "antimoralischen Furor", seine Direktheit und auch seine "bizarre Komik", die Schneider nun allesamt als in der Tradition Ferdinand Celines stehend erkennt, höchst nachvollziehbar. Mal ehrlich, klingt "Tunte" nicht gleich viel besser als "Warmer"?
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.09.2009

Rezensent Jürgen Brocan begrüßt es, dass zum 50. Jahrestag der Erstveröffentlichung nun die deutsche Übersetzung der originalen Fassung vorgelegt wurde, und damit ein wichtiges Dokument der Underground-Literatur abermals erschlossen wird. Die Edition präsentiert seinen Informationen zufolge die restaurierte Fassung des Romans, dessen wirre Entstehungsgeschichte werde im Nachwort, wie Brocan schreibt, präzise nachvollzogen. Trotzdem bleiben für ihn editorische Fragen offen, rudert er mitunter etwas orientierungslos durch die künstlich zerschnittenen und wieder neu zusammengefügten Texte, die seine Wahrnehmungen unter Drogeneinnahme abbilden wollten. Die Übersetzung von Michael Kellner ist seinem Eindruck zufolge zwar etwas präziser als die alte, löst für seinen Geschmack allerdings "gelegentlich manche harte, bissige Fügung in allzu betuliche Syntax auf, die den typischen Beat vermissen lässt." Trotzdem beeindruckt ihn auch heute noch die Textform des berühmten Buchs, "die Protokoll, Erzählung und Traktat schroff nebeneinanderstellt". Auch wenn es "als literarisches Kunstwerk" mitunter stark zeitgebunden auf ihn wirkt, und ihn auch "die gewaltsamen Tabubrüche" heute "kaum mehr schockieren" können.
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