Aus dem Englischen von Hannes und Sara Riffel. William Gibson schreibt über Literatur, Musik, Mode, Film, die japanische Kultur und Wege in die digitale Zukunft, die sich schon längst in unserer Gegenwart bedrohlich bemerkbar macht.
Mit großem Genuss arbeitet sich Frank Schäfer durch diese Essaysammlung des Kult-SciFi-Autors und Cyberpunk-Begründers Willliam Gibson, in dessen letzten Romanen Schäfer bereits einen zunehmenden Verzicht auf futuristische Kulissen beobachtet hat. Hier, so der Rezensent, kann man nachlesen, warum: In einer Zeit, in der sich die Zukunftsversprechungen der Vergangenheit durch vollkommene Gegenwärtigkeit auszeichnen, wird auch der Zukunftsprognostiker irgendwann zukunftsmüde: Doch nicht alles so großartig, wie wir uns das vorgestellt haben, resümert Schäfer den Autor. Die Gegenwart der Zukunft der Vergangenheit findet Gibson vor allem in Japan und dessen technologischer Aufgereiztheit, berichtet Schäfer. Man rechne allerdings nicht damit, in diesen Essays - viele davon Auftragsarbeiten - bloß Vorstufen von Gibsons Romanen zu entdecken, vielmehr handelt es sich um "luzide Gegenwartsanalysen, uneitel, unakademisch, unsystematisch, assoziativ" und von eigenem poetischen Wert, so Schäfer. Zum Technikwarner wird Gibson - der seinem Cyberpunk-Ruhm zum Trotz erst spät online ging - schließlich, wenn er sich mit den immer weiter um sich greifenden Aufzeichnungsmitteln, fürchtet einen Stillstand der Zeit und sucht am Ende Gott, so Schäfer am Ende seiner ausführlichen Rezension.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.05.2013
Freude macht Dietmar Dath William Gibsons Buch mit gesammelten Gegenwartstexten, weil der Autor als passionierter Datenfresser Erkenntnisse bietet, wie die, dass das Informationszeitalter als Epoche schließlich ungreifbar bleibt. Als Offenbarung geradezu erscheint ihm Gibsons im Buch enthaltener Aufsatz über das Netz als Zeitvergeudung. Jedem Journalisten sofort auf den Tisch, meint der Rezensent und bedankt sich abschließend für eine kluge und liebevolle Übersetzung der Texte durch Sara und Hannes Riffel.
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