Will Self

Leberknödel

Roman
Cover: Leberknödel
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2015
ISBN 9783455404647
Gebunden, 208 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Übersetzung: Gregor Hens. Wie lebt man weiter, wenn das Todesurteil aufgehoben zu sein scheint? Die englische Witwe Joyce Beddoes leidet an Leberkrebs und fliegt mit ihrer alkoholsüchtigen Tochter in die Schweiz, um dort 'in Würde' zu sterben. In letzter Minute verweigert sie jedoch das tödliche Gift und verlässt die Sterbeklinik. Sie driftet durch Zürich, und während sie sich von ihrer Tochter immer mehr entfernt, geht es ihr von Tag zu Tag besser. Als die Ärzte den Tumor nicht mehr nachweisen können, glauben die Mitglieder einer katholischen Gemeinde an ein Wunder. Aber je mehr sich ihre körperliche Verfassung bessert, desto entschiedener verweigert Joyce dieses geschenkte Leben...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.03.2016

Rezensent Tilman Urbach fühlt sich grotesk unterhalten bei Will Self. Dies, obgleich das Buch eigentlich zu dünn, die Figuren nicht wirklich unter die Haut gehen und Self mit den Themen Krebsdiagnose und Sterbehilfe nicht wirklich zum Wohlfühlen aufruft. Der schnoddrige Ton und die schiefen Sprachbilder im Text hält Urbach allerdings für passend zum Galgenhumor der todgeweihten Protagonistin, die dem Tod im letzten Moment doch noch von der Schippe springt, um auf den Spuren James Joyces durch Zürich zu spazieren, wie der Rezensent mitteilt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.11.2015

Vom englischen Satiriker Will Self lässt sich Sylvia Prahl gerne die Lesegewohnheiten durchrütteln. Das geht schon bei der äußeren Gestaltung los, berichtet die Rezensentin, denn von einem Gesangbuch lässt sich der Roman von außen kaum unterscheiden. Auch die Geschichte um eine an Krebs erkrankte Frau, die für den Freitod nach Zürich reist, dort aber, vielleicht auch aus Trotz gegenüber der Tochter, der sie das Erbe nicht gönnt, lieber Leberknödel isst und schließlich wundersam genest, stellt für die Kritikerin von der ersten Seite an ein besonderes Lesevergnügen dar. Dass der Roman über ein Leben nach dessen Ablaufzeit "die Erbärmlichkeit des menschlichen Daseins" schließlich mit einiger Konsequenz schildert, stellt für Prahl kein Hindernis dar. Pluspunkte vergibt sie abschließend für die zahlreichen James-Joyce-Anspielungen, mit denen Self seinen Text spickt, ohne Joyce auch nur einmal zu erwähnen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2015

Knapp aber vergnügt bespricht Rezensentin Wiebke Porombka Will Selfs neuen Roman "Leberknödel", der ihr wunderbar zynisch die Geschichte einer an Leberkrebs erkrankten Rentnerin erzählt. Die Kritikerin kann sich das diebische Grinsen kaum verkneifen, wenn sie liest, wie Self jenseits der Moral und des guten Geschmacks beschreibt, wie die alte Dame sich plötzlich entscheidet, doch keine Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, um ihrer dicken Tochter das Erbe noch eine Weile zu verweigern, sich einer kurzfristigen wundersamen Heilung erfreut und dann doch das alltägliche Leben wieder in seiner ganzen Erbärmlichkeit erlebt. Ein böser und amüsanter Roman, gewürzt mit einer Prise magischem Realismus, der von Self schließlich mit "säkularem Besteck" seziert wird, urteilt die Kritikerin.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2015

Diesen von dem britischen Autor Will Self servierten "Leberknödel" hat Rezensentin Kristina Maidt-Zinke mit größtem Genuss verschlungen. Der Roman, der laut Kritikerin eigentlich eine Novelle ist, erschien im Original bereits im Jahre 2008 als eines von vier kurzen Stücken in Selfs Band über die Leber, informiert Maidt-Zinke und betont, dass der Autor hier zu Hochform aufläuft. Denn die Geschichte um die an Leberkrebs erkrankte siebzigjährige Joyce Beddoes, die mit ihrer Tochter und dem Wunsch nach Sterbebegleitung nach Zürich fliegt, den Giftbecher verweigert und sich nach einer Spontanheilung zumindest kurzfristig ins volle Leben stürzt, ist nicht nur mit einer ordentlichen Portion britischem Humor gewürzt, so die Kritikerin, sondern führt die Geschehnisse so wunderbar subtil, bisweilen schwarzkomisch, grotesk und hinterhältig aus der Perspektive der Mittelschicht-Pensionärin vor, dass die Lektüre eine einzige Freude ist. Darüber hinaus bereitet dieses mit Motiven aus einem Requiem-Text angereicherte Vexierspiel aus Heilung und Erlösung auch intellektuelles Vergnügen, versichert die Rezensentin, die auf der Website des Autors entdeckt hat, dass es sich bei diesem Text um eine camouflierte Wanderung auf den Spuren von James Joyce handelt.
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