Werner Busch

Das unklassische Bild

Von Tizian bis Constable und Turner
Cover: Das unklassische Bild
C. H. Beck Verlag, München 2009
ISBN 9783406582462
Gebunden, 341 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Mit 134 Farb- u. S/W-Abbildungen. Seit der Renaissance und bis ins 19. Jahrhundert beanspruchte das sogenannte klassische Bild seine Vorrangstellung. Es sollte Ideen zum Ausdruck bringen, die letztlich immateriell waren. Ebenfalls seit der Renaissance gab es jedoch eine zweite Tradition, die sich an der sinnlichen Erscheinung der Dinge orientierte. Werner Busch stellt diese Geschichte des unklassischen Bildes zum ersten Mal zusammenhängend dar. Während beim klassischen Bild die Linie dominiert, ist das unklassische von der Farbe beherrscht. Sucht das klassische Bild seine Vollendung, so ist das unklassische prinzipiell unabschließbar. Erzählt das klassische Bild oft eine Geschichte, die von einem Text (etwa der Bibel) vorgegeben ist, so beruft sich das unklassische Bild auf die Natur und ihre Phänomene.
Nachdem die Renaissance das klassische Bild definiert hatte, wurde es über Jahrhunderte von den mächtigen Akademien und unzähligen Traktaten gepredigt. Das unklassische Bild hingegen fand nie vergleichbare öffentliche Fürsprecher. Dabei hat es die abendländische Kunst seit Tizian begleitet, in Caravaggio und Rembrandt, in Constable und Turner prominente Protagonisten gefunden und in der Druckgrafik zu wichtigen Innovationen geführt. Mit seiner Gegengeschichte der neuzeitlichen Kunst macht Werner Busch sichtbar, welche Möglichkeiten eine Kunst abseits der offiziellen Doktrin hatte und wie sie die Kunst der Moderne vorbereitete.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.09.2009

Mit Interesse hat Rezensentin Petra Kipphoff diese Kunstgeschichte gelesen, deren Titel sie bereits wegen seines "leicht widerständigen Tons" aufhorchen ließ. Der Kunsthistoriker hefte sich darin an die Spuren von Tizian bis Constable und Turner - Maler, deren Bilder die Kunst auch jenseits der Theorien und Ideologien jeweils neu formuliert hätten, "und zwar mit ihren eigenen Mitteln". Besonders interessant findet die Rezensentin Werner Buschs Blick auf die Veränderung der Kunst im Handwerk, sowie den Hinweis, dass es im Wesentlichen um die Erscheinung des Kunstwerks, weniger um sein Thema oder den Bildinhalt gehe. Einwände hat Kipphoff allerdings mitunter gegen die Auswahl der Künstler, an denen Busch seine Exempel statuiert. Auch bedauert sie, dass Busch das Thema, das er so überzeugend aus dem Verborgenen holte, nicht etwas breiter verfolgt hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.08.2009

Rezensentin Kia Vahland begrüßt Werner Buschs Geschichte des "unklassischen Bildes". Sie sieht den Kunsthistoriker anknüpfen an die neuere Tizianforschung, die sich mit den Malprozessen des Künstlers auseinandersetzte. Überzeugend zeigt der Autor für sie den Weg auf, den die seit Tizian und seinen venezianischen Kollegen wirkende Tradition einer anti-ikonografischen, anti-formvollendeten Kunst genommen hat. Die große Stärke des Buchs ist in ihren Augen Buschs "Arbeit am Bild", das Geschehen im Atelier, die Arbeitsweisen und -Techniken der Künstler. Besonders hebt sie Ausführungen über die Sebastianfiguren Tizians und Rembrandts Jakob hervor. Wie deren Techniken in die Moderne wanderten, vollzieht Busch zur Freude Vahlands auf "schmalen, aber aussichtsreichen Nebenwegen" nach.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2009

Der Karlsruher Kunsthistoriker Ralph Ubl bedenkt das Buch seines Berliner Kollegen mit viel Lob, aber auch einigen Worten des Tadels. Er schätzt den Autor als einen Kunsthistoriker, der nicht so viel für die großen Theoriegebäude übrig hat, sondern lieber die "Welt des Ateliers" erkundet. Die große Stärke des Buchs sieht er dann auch in der überbordenden Fülle von hellsichtigen Beobachtungen. Höchst instruktiv scheinen ihm etwa die Ausführungen über das Helldunkel in Malerei, über Druckgrafik und Naturforschung, über Holzschnitt, Mezzotinto, Kupferstich und über die Meister des fleckigen Farbauftrags. Oder auch über Rembrandts virtuose Handhabung der Rohrfeder, Tizians Versionen des heiligen Sebastian oder Constables Schwierigkeit, ein Werk zu beenden. Einige von Buschs Thesen haben Ubl dagegen nicht ganz überzeugt. Vor allem dass der Autor sein Buch als Gegengeschichte zur "klassisch-akademischen Kunstauffassung" versteht, der er eine Geschichte des "unklassischen Bilds" gegenüberstellt, ist in Ubls Augen ein Antagonismus, den er für überholt hält. Hier hätte er sich gewünscht, Busch wäre seiner "Begeisterung fürs Unklassische" noch konsequenter gefolgt, um sich ganz der "bunten Vielfalt seiner Gegenstände und Ideen" anzuvertrauen.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Mehr Bücher aus dem Themengebiet