Warlam Schalamow

Das vierte Wologda und Erinnerungen

Cover: Das vierte Wologda und Erinnerungen
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2013
ISBN 9783882210538
Gebunden, 557 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Gabriele Leupold, herausgegeben, mit einem Nachwort, einem Glossar und Anmerkungen von Franziska Thun-Hohenstein. "Das vierte Wologda" ist Schalamows Buch der Erinnerungen an die Kindheit und frühe Jugend in seiner nordrussischen Geburtsstadt, deren besonderer freiheitsliebender Geist ihn für immer geprägt habe. In der lakonischen Erzählung gelingt es Schalamow, seine Abrechnung mit der autoritären Welt des Vaters mit eindrucksvollen Bildern aus dem Alltagsleben der Provinzstadt zu verbinden und sie auf diese Weise in die dramatische Umbruchszeit russischer Geschichte im 20. Jahrhundert einzubetten. Der Band wird durch die Fragment gebliebenen Erinnerungen an das literarische Leben im Moskau der 1920er, 1930erJahre ergänzt: ein Panorama jener Welt, die Schalamows Schreiben beeinflusst hat und an die er sich auch nach den Jahrzehnten Lagerhaft mit erstaunlicher Präzision und Detailfreude erinnert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.04.2014

Die in diesem von Franziska Thun-Hohenstein herausgegebenen fünften Band der Warlam-Schalamow-Ausgabe versammelten Texte, besonders die autobiografischen, erscheinen Jörg Plath allesamt unfertig, angefangen und liegengelassen. Etwas mühsam findet er Passagen, die Schalamows revolutionäre Ungeduld offenbaren. Eindrucksvoll hingegen kommen laut Plath die Berichte über Auseinandersetzungen damaliger Künstlergruppen daher, die der Autor nach seiner Entlassung aus dem Gulag 1951 aufschrieb, und Schilderungen der Rededuelle zwischen dem Volkskommissar Anatoli Lunartschinski und dem späteren Metropoliten Alexander Wwedenski, denen der Autor beiwohnte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2013

Sabine Berking begrüßt den sechsten und letzten Band der deutschsprachigen Ausgabe der Werke von Warlam Schalamow. Sie würdigt dessen "Erzählungen aus Kolyma" als eines der bedeutensten Zeugnisse des GULags. Die nun vorliegenden Erinnerungen Schalamows an seine Kindheit und Jugend bieten für sie einen "Einblick in die soziale und geistige Atmosphäre", der der Schriftsteller entstammt. Berking berichtet über das schwierige Verhältnis zum Vater, einem Geistlichen und Familientyrann, und die Folgen der Revolution für die Familie. Besonders hebt sie die Schilderungen des Moskaus der zwanziger Jahren mit seinen Künstler- und Intellektuellenkreisen hervor, das in den dreißiger Jahren durch den Stalinismus zu einem Ort des "geistigen Stillstandes" mutierte. Zu schätzen weiß Berking nicht zuletzt den hilfreichen Anmerkungsapparat des Bandes.
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