Volker Reinhardt

Machiavelli

oder Die Kunst der Macht. Eine Biografie
Cover: Machiavelli
C. H. Beck Verlag, München 2011
ISBN 9783406630170
Gebunden, 400 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Volker Reinhardt legt mit diesem Buch die erste Biographie über Machiavelli seit Jahrzehnten vor. Er beschreibt dessen Kindheit und Jugend im Florenz der Renaissance, den Aufstieg zum Politiker und Diplomaten sowie sein Leben als Literat und von den Mächtigen verfolgter Provokateur. Das Ergebnis ist ein neues Bild von Machiavelli als einem Theoretiker der Macht, der in seinem eigenen Leben und Werk auf Macht und Täuschung verzichtete. Machiavellis Lehre, wie man Macht erlangt, ist bis heute eine kalte Dusche: Moral, Recht und Religion soll der Fürst als Fassade einsetzen, um seine Gegner in falscher Sicherheit zu wiegen. Keinesfalls darf er selbst daran glauben. Viele haben sich voller Abscheu von Machiavelli abgewandt, aber es gibt auch eine Reihe von Bewunderern, die von Friedrich Nietzsche über Hannah Arendt bis zu heutigen populären Nutzanwendungen für den Alltag reicht. Wie lebt jemand, der die Techniken der Macht durchschaut, aber selbst keine Macht hat?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.07.2012

Mutig nennt Hans-Albrecht Koch diese Machiavelli-Biografie des mit Monografien zur Geschichte Italiens bekannt gewordenen Freiburger Historikers Volker Reinhardt. Mutig angesichts der vielen Widersprüche, die der Florentiner auf sich vereint. Mit Reinhardt nun gelingt es dem Rezensenten zu erkennen, wie Machiavelli wirkungsmächtiger Diplomat und politischer Denker zugleich sein konnte. Dass der Autor Distanz zu seinem Thema wahrt, ohne es an Teilnahme fehlen zu lassen, dass er mittels Quellen Anschaulichkeit herstellt und auch noch zu unterhalten vermag, lässt Koch den Band als "großen Wurf" titulieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2012

Dietmar Herz, der Volker Reinhardt als verdienten Renaissance-Kenner schätzt, lobt nun dessen Machiavelli-Biografie ohne Einschränkung. Es ist die erste Lebensbeschreibung des Florentiner Historikers, Politikers und Dichters, die auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügt, unterstreicht der Rezensent, der sich auch mit dem methodischen Vorgehen des Autors, Historiker an der Universität Fribourg, sehr zufrieden zeigt. Reinhardt schöpft ausgiebig aus dem Werk Machiavellis, seinen politischen Schriften, seinen Theaterstücken und Gedichten, seinen ausführlichen Gesandtschaftsberichten und seinen Briefen, um dessen politische Ideen zu verstehen. Aus den persönlichen Erlebnissen Machiavellis, der nach der Kapitulation der Florentinischen Republik 1512 seine politischen Ämter verlor, verhaftet und gefoltert wurde und ins Exil flüchtete, erklärt Reinhardt auch dessen pessimistische Welthaltung und zeichnet Machiavelli als Denker, dessen Theorien ihm aus der Praxis erwuchsen, so Herz zustimmend. Das "Leitmotiv" dieses Lebens ist das "Scheitern", stellt der Rezensent fest, den diese Biografie sehr überzeugt hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.03.2012

"Anregend und gut lesbar" findet Felix Ekardt die neue, sehr ausführliche Machiavelli-Biografie des Schweizer Renaissance-Experten Volker Reinhardt. Ihr zentrales Verdienst, so der Rezensent, besteht schon auch darin, das übliche Machiavelli-Bild der breiten Öffentlichkeit ordentlich ins Wanken zu bringen: Wie Fachleuten eh längst wissen, legt Ekardt dar, war Machiavelli selbst ein zynischer Machiavellist ja gerade nicht, da die von ihm getroffenen "Einsichten zum menschlichen Machtstreben" eher resignativ, eigentlich sogar "kritisch gemeint" waren. Kritisch wiederum ist auch der Rezensent: Gerade was aktuelle politische Phänomene zwischen Politverdrossenheit und Protestparteien betrifft, hätte er sich mehr Positionsklarheit gewünscht, auch die Einschätzung von Machiavellis Ideal einer nach innen noblen, nach außen "machiavellistischen" Demokratie ist ihm zu salopp und überhaupt vermisst er gelegentlich das Bekenntnis, dass menschliches Handeln nicht nur von Machtstreben bestimmt sei.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2012

Der Vorteil Volker Reinhardts dokumentarischer Beschreibungen über das Leben Niccolo Machiavellis sieht Robert Leicht in der Vollständigkeit des Materials. Er bedauert aber, dass  "Machiavelli oder die Kunst der Macht" diesen etwas zum Schreibtischtäter verkommen lasse und der Mut und die Energie des Denkers keinen Raum finden. Viele seiner Thesen würden dadurch entschärft, dass Reinhardt immer wieder auf die untergeordnete Rolle Machiavellis in staatlichen Angelegenheiten verweise. Besonders vermisst der Rezensent aber die "aufwühlenden Debatten", die im deutschen wie im englischen Sprachraum geführt wurden, und deren Einfluss er in der Biografie nicht wiederfinden kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.03.2012

Akribisch beschreibt Volker Reinhardt in seiner Machiavelli-Biografie das Leben des italienischen Intellektuellen, berichtet hier rezensierende Politikwissenschaftler Herfried Münkler. Sehr gern folgt er den Ausführungen des Autors zur Lage Italiens in der Renaissance, liest interessiert von der politischen Krise, in der sich das Land damals befand, und von den unentschlossenen Aristokraten, gegen die sich Machiavellis theoretische Arbeiten richteten. Aber etwas fehlt dem Rezensenten: der Autor sei zwar ein hervorragender Beobachter und Kenner der Geschichte, den intellektuellen Antrieb aber, der Machiavellis Arbeit befeuerte, sieht Münkler zu kurz gekommen. Der Blick auf Machiavelli in seiner Funktion als Politiker, als nicht sehr erfolgreicher Politiker wird dem Denker und seinem theoretischen Anspruch nicht gerecht, findet der Rezensent.
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