Virginia Woolf

Virginia Woolf: Tagebücher 5

1936 - 1941
Cover: Virginia Woolf: Tagebücher 5
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783100925664
Gebunden, 600 Seiten, 39,00 EUR

Klappentext

Schreiben war Rettung und Bedrohung zugleich für Virginia Woolf, es war ihre Flucht aus der Realität und es führte sie in die äußerste Erschöpfung, an den Rand des Lebens. In den Tagebüchern aus ihren letzten Jahren ist dies besonders deutlich wahrzunehmen. Zwei Romane und eine Biographie entstehen in dieser Zeit, sowie der große Essay "Drei Guineen", ein leidenschaftlicher Aufruf, Kriege zu verhindern. Engagiert und besorgt kommentiert sie täglich die weltpolitische Entwicklung und schließlich den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Ihre Londoner Wohnung wird verwüstet; im Landhaus in Südengland droht die Gefahr einer deutschen Invasion. Während der letzten Arbeiten an dem Roman "Zwischen den Akten" kann sie der Verdunkelung ihres Gemüts nicht mehr standhalten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2008

Weg der "spitze Übermut", die karikaturistische Figurenzeichnung, das Amüsement bei der Lektüre. Burkhard Müller entgeht nicht die Veränderung zum Ende hin, die diesen fünften und letzten Band der Tagebücher Virginia Woolfs prägt. Das Wissen um dieses Ende macht den Rezensenten "beklommen", und er sucht und findet Indizien dafür allenthalben: Das Verhältnis zu den Dienstboten ändert sich, der Ton wird humaner, die Depression hinterlässt Spuren im Text. So sehr Müller auch die Traurigkeit und Ermattung Woolfs aus diesen Texten herauslesen kann, so sehr hat ihn die Lektüre beglückt - als vom Herausgeber Klaus Reichert gewissenhaft kommentierte, von Claudia Wenner sorgfältig übersetzte Edition.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2008

Einen starken Eindruck hat der nun vorliegende letzte Band von Virginia Woolfs Tagebüchern bei Kurt Flasch hinterlassen. Die Tagebücher der Jahre 1936 bis 1941 vermitteln für ihn einen tiefen Einblick in ein "reiches, kompliziertes Leben". Er zählt die Schriftstellerin neben Joyce und Proust zu den drei Autoren, die das Gesicht des modernen Romans des 20. Jahrhunderts geprägt haben. Woolfs große literarische Entscheidungen sieht Flasch in der Periode dieser Tagebücher allerdings schon hinter ihr liegen. Hier urteile sie über eigene Werke, hadere mit sich und mit der Kritik, leide am Alter und dem Krieg. Etwas aufgelockert wird die Düsternis für Flasch durch die "bissigen Kommentare" der Autorin über die aristokratisch-intellektuelle Gesellschaft Londons, die er als "schwarze Köstlichkeiten" geradezu genossen hat. Er hebt Begegnungen mit Persönlichkeiten wie Keynes oder Freud hervor. Dennoch kann er das Buch nicht anders als vom Ende, dem Suizid der Schriftstellerin, her lesen. So bescheinigt er dem Werk die "Dramatik einer Tragödie". Mit hohem Lob bedenkt er Claudia Wenners Übersetzung der Tagebücher. Er würdigt diese Übersetzung als "literarisches Ereignis".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.08.2008

Renate Wiggershaus kann das Staccato des in diesen "flüssig übersetzten" Tagebüchern vorherrschenden Tons gut nachvollziehen. Sie führt es auch auf die unsicheren historischen und persönlichen Bedingungen zurück, unter denen Virginia Woolf 1936 bis 1941 lebte und arbeitete. Dass es Woolf dennoch gelang, geistiges Schaffen, Naturerlebnis, Handwerk und Kunstgenuss nicht aufzugeben, erscheint der Rezensentin bemerkenswert. Eine Erklärung dafür deutet Wiggershaus an, wenn sie die weitgehende Identität des zeitlichen Hintergrunds in Woolfs Romanen und Essays mit der Lebenszeit der Autorin konstatiert. Das "Ich schreibe, also bin ich", erklärt Wiggershaus zum Kredo der Autorin, wobei sie weiß, das Woolf oft "auf mehreren Gleisen" zugleich arbeitete. Vor dem Hintergrund des Krieges erscheinen Wiggershaus die Tagebucheinträge als Daseinsversicherung und "Heilmittel". Die gesellschaftliche Isolation dieser Zeit zeigt sich laut Wiggershaus am Ende des Tagebuchs dennoch deutlich. Auf pointenreiche Beschreibungen und Porträts von Freunden etwa stößt die Rezensentin hier kaum noch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.08.2008

Nichts Geringeres als den "Idealfall eines Tagebuchs" hält Renate Wiggershaus da in Händen. Der letzte Teil der deutschen Ausgabe von Virginia Woolfs Tagebüchern (1936-1941) zeigt ihr die Autorin als rundum "waches Individuum in seiner Zeit". Wiggershaus staunt über Woolfs Umtriebigkeit und ihre Wahrnehmungsfähigkeit. Lektüre, pointierte Porträts von Freunden wie W. H. Auden, die Arbeit an Romanen, Essays und anderen Projekten sowie die "hellsichtige" Registrierung der politischen Ereignisse sieht Wiggershaus in den Aufzeichnungen sich niederschlagen. Und immer den Willen, keine Pläne zu machen, als Reaktion auf die Verhältnisse von Krieg und Verlust. Beeindruckt zeigt sich die Rezensentin nicht nur von der inhaltlichen Seite des Bandes, sondern ebenso von einem einfühlsamen Nachwort, kenntnisreichen Anmerkungen und von einer kongenialen Übersetzung.
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