Virginia Woolf

Mrs. Dalloway

Roman
Cover: Mrs. Dalloway
Manesse Verlag, Zürich 2022
ISBN 9783717525561
Gebunden, 400 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen neu übersetzt von Melanie Walz. Mit einem Nachwort von Vea Kaiser. Ein Tag im Leben der zweiundfünfzigjährigen Clarissa Dalloway: Die Gattin eines Parlamentsabgeordneten will am Abend eine ihrer berühmten Upper-class-Partys geben. Der Tag vergeht mit Vorbereitungen, zufälligen Begegnungen mit Jugendfreunden, Konversation, nostalgischen Betrachtungen, Sinneseindrücken beim Flanieren ... Ein besonderer Tag soll es - aus ganz anderen Gründen freilich - auch für Septimus Smith werden. Auch ihn, den Kriegsheimkehrer, beschäftigt die Gegenwärtigkeit des Vergangenen. In permanent sich wandelnden Empfindungen, Visionen und Assoziationen der Figuren entsteht ein Zeit- und Gesellschaftsbild Englands.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2022

Endlich gibt es eine neue, gelungene deutsche Übersetzung von Virgina Woolfs Gesellschaftsroman "Mrs. Dalloway", freut sich Rezensent Wolfgang Schneider. Die Handlung, die an einem Tag spiele, nimmt bruchstückartig Verschiedenes in den Blick, von ersten, auch homosexuellen, Liebeserfahrungen über soldatische PTBS-Krisen bis zu den Nachwehen der Spanischen Grippe, lesen wir. Diese Blicke ins Innerste der verschiedenen Figuren haben für den Rezensenten einen ganz besonderen Reiz. Oft sei Woolf mit James Joyce und seinem "Ulysses" verglichen worden, den sie - wie anekdotisch berichtet wird - verachtet habe. Auch Schneider nimmt einen kurzen Vergleich vor und kommt zu dem Schluss, dass das Joyce'sche Epos zwar deutlich experimenteller ist, aber Woolf den Bewusstseinstrom ihrer Figuren mit ihrer rhythmischen Form und Sprache perfekt ergänze. Schneider widmet sich zudem mit eingängigen Beispielen der Schwierigkeit des Übersetzens: Melanie Walz' Arbeit scheint ihm hier im Kontrast zu einigen vorgehenden Übertragungen besonders akkurat und minutiös, besonders lobenswert. "Beinahe so schön wie im Original", ist er sich sicher.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.11.2022

Rezensent Florian Eichel ist sich sicher: Virginia Woolfs moderner Klassiker "Mrs. Dalloway" ist eines der ganz großen Bücher. Viel besser als James Joyces "Ulysses" findet er ihn: Nicht nur aus einer feministisch-politischen Perspektive, auch aus der schriftstellerischen ist der Roman, dessen Handlung sich an einem einzigen Tag abspielt, für ihn genial. Der Titel ist dabei ein wenig irreführend, denn Clarissa Dalloway steht gar nicht im Fokus der Erzählung, meint der Rezensent, wir haben stattdessen zwanzig verschiedene Erzählperspektiven, die uns ein Panorama der Londoner Gesellschaft von vor hundert Jahren verschaffen. Diese Zersplitterung macht Eichel auch dafür verantwortlich, dass man die Sprache als instabil, flackernd, sich selbst überbietend (und damit typisch für die Moderne) wahrnimmt. Zuletzt widmet er sich auch den Schwierigkeiten der Übersetzung, die Melanie Walz überzeugend gemeistert habe.

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