Jochen Schmidt

Hoplopoiia

Roman
Cover: Hoplopoiia
C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406836886
Gebunden, 371 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Während sich alles viel zu schnell verändert, kann Richard Sparka den Ereignissen nur erstaunt und resigniert hinterherblicken. Seine Beziehung mit Klara ist zu Ende, die Kinder werden groß, die Eltern alt. Auch das Leben in der Stadt, in der er geboren wurde und die seit jeher sein Zuhause ist, kommt ihm immer unmöglicher vor. Der Zeitungsstand im Spätkauf seines Vertrauens musste einem Chipsregal weichen für Richard nicht weniger als eine Katastrophe. Und der hippe neue Eisladen um die Ecke wird sein Viertel verändern, bis die Mieten unbezahlbar sind, davon ist Richard überzeugt. Wie schaffen es andere nur, angesichts dieser drastischen Entwicklungen, den Kopf über Wasser zu halten? Richard geht auf Spurensuche in seiner Kindheit in der DDR. Hat seine Lebensunfähigkeit mit dem Aufwachsen in einer Diktatur zu tun? Wäre sein Blick in die Zukunft optimistischer, wenn er damals die Chance ergriffen hätte, Mathematiker zu werden?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.09.2025

Jochen Schmidts "überforderten Helden" Richard Sparka trifft Rezensent Rainer Moritz nun schon zum dritten Mal: In diesem dritten Roman von Schmidt trennt sich seine Partnerin Karla, mit der er zwei Kinder hat, von ihm, was bei Richard die ein oder andere Neurose auslöst. In Proustscher Manier verhandelt der Autor die vielen Fragen und Themen, die Richard umtreiben, von seiner DDR-Elitenschulen-Vergangenheit über das Mathematikstudium, Schachspiele und Homer bis hin zu Gedanken über die "Frische" von Brüsten, wie Moritz schildert. Schmidt zeigt sich ihm hier einmal mehr als "Meister des luziden Gesellschaftsromans."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.09.2025

Jochen Schmidts Romanfigur Richard Sparka begegnet Kritikerin Katharina Granzin nun schon im dritten Buch: Nachdem es zuvor um das Familienleben mit Kleinkindern und dann ersten Beziehungsrissen ging, ist der Ofen zwischen Richard und Klara nun endgültig aus, sie leben aber noch zusammen. Richard widmet den größten Teil seiner Aufmerksamkeit seinen seltsamen Neurosen, für die er auch diverse Therapeuten aufsucht, wie wir erfahren, beispielsweise fühlt er sich von einer alten Lehrerin verfolgt, die eigentlich längst tot sein müsste. Er lebe nicht mehr in der Gegenwart, sondern beschäftige sich mit der Vergangenheit, dem psychischen Druck und Terror, den er in der DDR erfahren habe und der ihn nun heimsuche. Sprachlich findet Granzin das alles dank Schmidts "sprachspielerischer Diktion" durchaus unterhaltsam, aber insgesamt kreist die Geschichte ihr doch zu sehr um Richard und hat zu wenig eigentliche Handlung.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 12.09.2025

Rezensentin Katharina Teutsch freut sich über eine Wiederbegegnung mit Jochen Schmidts Romanheld Richard Sparka: Zum dritten Mal streift der Autor mit ihm durchs Leben, diesmal aber vor allem durch alle möglichen Ängste und Therapien. Nachdem wir Sparka in Vorgängerbänden bereits als Vater und in kriselnder Beziehung kennenlernen konnten, liegt jetzt eine Trennung hinter ihm, die seinem Grübelzwang und seinen zahlreichen melancholisch geprägten Phobien nicht gerade gut getan hat, wie wir erfahren. Dieses Grübeln führt ihn laut Teutsch aber nicht nur in den Bereich des Anekdotischen, sondern sorgt auch dafür, dass er sein Aufwachsen in der DDR und das Leben jetzt im Turbokapitalismus zur Sprache kommen. "Witzige und wahrhaftige Momente" mit Anklägen an Proust findet die zufriedene Rezensentin hier zuhauf.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.09.2025

Rezensent Michael Maar findet Jochen Schmidt und dessen zum wiederholten Male auftretenden Protagonisten Richard Sparka in seiner Schrulligkeit grundsympathisch: Er liegt nun jede Woche bei seinem Therapeuten Dr. Rak auf der Couch und entfaltet die "verzagten Momente" seines Lebens. Davon gibt es einige, wie wir erfahren: Die Ehe ist gescheitert, die DDR-Vergangenheit macht ihm zu schaffen, er ist hypersensibel und zwangsgestört. Es wird für Maar ziemlich lustig, wenn geschildert wird, wie Sparkas Sohn in einer überwoken Schule sitzt, in der die Lehrer "Potentialentfaltende" heißen und das Wort jemand durch "jemensch" ersetzt wurde. Auch die Zwangsgedanken und Ängste des Protagonisten, der sich zum Beispiel fürchtet, er könnte ungewollt rassistische Bemerkungen von sich geben, vermischen sich mit einem feinen Porträt des "späten Stasi-Staats", wie Maar versichert. Er kann die Lektüre nur empfehlen. 

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