Viktor von Weizsäcker

Pathosophie

Gesammelte Schriften. Band zehn
Cover: Pathosophie
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518578018
Gebunden, 647 Seiten, 45,80 EUR

Klappentext

Bearbeitet von Walter Schindler, Dieter Janz und Peter Achilles. In diesem für das Verständnis von Weizsäckers Denken zentralen und wissenschaftshistorisch bedeutenden Werk entwirft Weizsäcker eine neue Anthropologie, in der das leidenschaftliche, pathische Wesen des Menschen Ausgang und Ziel einer "an Haupt und Gliedern" reformierten Medizin wird. Aus der pathosophischen Bestimmung des menschlichen Daseins erfolgt in den beiden zentralen Kapiteln die Grundlegung einer allgemeinen und einer speziellen Krankheitslehre. Im Anschluss an die Einführung der biografischen Methode wird eine neue Einteilung und Ordnung von Krankheitseinheiten vorgeschlagen. Der anschließende "Versuch einer Enzyklopädie" stellt in gesonderten Textstücken zentrale Themen der pathischen Existenz heraus - z.B. Schmerz, Wille, Sexualität, Bewusstsein, Staat, Macht, Lüge, Tod - und schließt mit einer Theorie des Menschen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2006

Als etwas seltsamer Fremdkörper nehme sich der Arzt und Philosoph Viktor von Weizsäcker mit der Gesamtausgabe seiner Schriften im Suhrkamp-Verlag aus, stellt der Rezensent Michael Hagner erst einmal fest. Zum einen wegen der doch sehr problematischen Vergangenheit von Weizsäckers im Dritten Reich, dessen eugenische Bevölkerungspolitik er in Teilen begrüßte. Auch sonst aber reihe sich die wichtige Figur der Psychosomatik nicht recht ein ins linke Umfeld der Suhrkamp-Kultur. Allzu konservativ das Bild vom Menschen, von romantischer Naturphilosophie wie dem Christentum stark beeinflusst, das das Subjekt in scharfer Weise von aller naturwissenschaftlichen Einordnung distanziert sieht. Daraus resultierte für von Weizsäcker eine starke Betonung der Rolle des Arztes. Bedauerlich findet es Hagner, dass die Anordnung der Bände nicht chronologisch erfolgt. Dennoch sei die Platzierung der "Pathosophie" am Ende der Werkausgabe ganz richtig, gerade weil sich dieser Band mit Essays und Aphorismen überraschenderweise gegen das bis dahin so geschlossene System zu wenden scheint. Eine verblüffende Pointe des insgesamt doch sehr problematischen Werks, so Hagner.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.08.2005

Die "Summe und zugleich den Schlussstein der Lebensarbeit" Viktor von Weizsäckers (1886-1957) erblickt Rezensent Wolfgang U. Eckart in dessen "Pathosophie", mit der die zehnbändige Edition der "Gesammelten Schriften des Heidelberger Internisten zum Abschluss kommt. Eckart würdigt die Bedeutung Weizsäckers für die Entwicklung des ärztlich-anthropologischen Denkens und der Psychosomatik nach dem zweiten Weltkrieg. Wie er berichtet, entwirft Weizsäcker in der "Pathosophie" eine neue Anthropologie, die das leidenschaftliche, pathische Wesen des Menschen zum Ausgang und Ziel einer reformierenden Medizin stellt. Aus der anthropologischen, pathosophischen Bestimmung des menschlichen Daseins entwickle der Autor eine Grundlegung einer allgemeinen und einer speziellen Krankheitslehre, die von einem neuen, ganzheitlichen und biografisch-individuellen Krankheitsbegriff ihren Ausgang nimmt. Krankheiten würden demnach als "symbolische Transformationen" verstanden, die über vor allem über den Weg der individuelle Lebensgeschichte des Patienten diagnostiziert und therapiert werden könnten. Nicht verschweigen will Eckart, dass sich das Werk der Lektüre schwer erschließt: "Vieles bleibt dunkel und verborgen in der komplizierten Denk- und Ausdruckswelt des Autors, in der auch Mystischem Bedeutung zukommt."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2005

Für "durchaus noch zeitgemäß" erachtet Rezensent Robert Jütte die Absicht Viktor von Weizsäckers (1886 bis 1957), der Einheit von Seele und Leib in der Medizin wieder die ihr gebührende Geltung zu verschaffen. Dieses Absicht verfolgt Weizsäcker Jütte zufolge insbesondere in seinem Werk "Pathosophie", das nun als zehnter Band der damit zum Abschluss gekommenen Werkausgabe vorliegt, als "vollständige, nach der Handschrift editierten Ausgabe". Wie Jütte berichtet, akzentuiert Weizsäcker in diesem "schwer verständlichen Alterswerk" den anthropologischen Aspekt der Medizin. Körperliche Krankheiten verstehe Weizsäcker nicht als isolierte Organstörungen, "sondern als Produkt psychosozialer Beziehungen und Bedingungen". In diesem Zusammenhang spricht Jütte davon, dass Weizsäcker wieder das Subjekt als Einheit von Geist, Seele und Körper in den Pathologie eingeführt hat, während die moderne naturwissenschaftliche Medizin den Patienten als Objekt betrachtet habe. Etwas getrübt findet Jütte die Einsichten Weizsäckers allerdings durch die "manchmal mehr verdunkelnde als erhellende Sprache".
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