Vigdis Hjorth
Wiederholung
Roman

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783103976908
Gebunden, 160 Seiten, 22,00 EUR
ISBN 9783103976908
Gebunden, 160 Seiten, 22,00 EUR
Klappentext
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs. Eine Frau läuft durch den Wald. Eigentlich bereitet sie sich auf einen Marathon vor, aber getrieben ist sie von etwas anderem. Alles, was sie vergessen will, kehrt zu ihr zurück, und so nähert sie sich Atemzug für Atemzug dem sechzehnjährigen Mädchen, das sie einmal gewesen ist. Der erste Kuss auf einer Party. Der erste überwältigende Rausch, der den Körper so leicht werden ließ. Die Mutter, die mit Argusaugen über sie wacht und ihren unbändigen Lebenshunger kontrolliert. Der Vater, der sich immer weiter distanziert. In ihrem neuen Roman, der mit dem wichtigsten Literaturpreis Norwegens, dem Kritikerpreis, ausgezeichnet wurde, kehrt Vigdis Hjorth zu ihren großen Lebensthemen zurück: Sie erzählt vom schmerzhaften Kampf einer jungen Frau gegen das Geheimnis einer Familie, vom Ringen um die eigene Wahrheit und davon, dass manche Erinnerung einen so lange heimsucht, bis neues Erkennen möglich ist.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 15.05.2025
Vigdis Hjorth hat nun schon den dritten Band über ein Thema vorgelegt, das eigentlich unaussprechlich ist, bemerkt Rezensentin Sigrid Löffler mit großem Respekt: Auch wenn Hjorth es bestreitet, gibt es starke Übereinstimmungen zwischen der Protagonistin ihrer Bücher und ihr selbst. In den Bänden geht es stets um den Missbrauch einer Tochter durch den Vater, den die Familie um jeden Preis verdrängen will, erfahren wir, die Mutter hat "Angst vor der öffentlichen Schande" und versucht deswegen, die Tochter zu kontrollieren. Die Ich-Erzählerin legt in einer Art Selbstbefragung alle Erinnerungen an den Missbrauch, aber auch ihren Drogenkonsum als Reaktion darauf frei, sie zeigt aber auch, wie das Verständnis für die Mutter wächst, die keine Chance hatte, den missbrauchenden Ehemann zu verlassen, weil sie finanziell von ihm abhängig war, resümiert Löffler. Ein Buch, das die tickende Bombe in einen Befreiungsschlag verwandelt, ist der Kritik abschließend zu entnehmen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2025
Unheimlich, aber im besten, überzeugenden Sinne, findet Rezensentin Sandra Kegel dieses neue Buch der Norwegerin Vigdis Hjorth, das sich wieder dem Thema des sexuellen Missbrauchs widmet. Die Erzählerin ist Schriftstellerin, ein Theaterabend setzt bei ihr eine Kaskade an Erinnerungen frei, erfahren wir, Erinnerungen an den Missbrauch durch den Vater, der von der restlichen Familie bestritten wird. Durch Hjorths "nüchterne", fast "monochrome" Sprache steigert sich die beunruhigende Wirkung der Erzählung, findet Kegel. Wieder dreht sich die Geschichte um die Mutter der namenlosen Protagonistin. Aber hier gehe Hjorth das vielleicht größte Tabu über das Muttersein an, den "Hass auf das eigene Kind": Die Geschichte kulminiert in der kaum fassbaren Erkenntnis, dass die Mutter sie für "ein Leben in Sicherheit verraten hat", sie nämlich vor den Übergriffen durch den Vater nicht schützen konnte. Auch wenn die Kritikerin viele autobiografische Bezüge ausmacht, warnt sie abschließend davor, daraus auf die Realität zu schließen - die Fiktion gibt Hjorth die Möglichkeit, alles neu zu erfinden.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 07.03.2025
Als "weibliches Pendant" zu Karl Ove Knausgard zeichnet Rezensent Carsten Hueck die Schriftstellerin Vigdis Hjorth. Mehr als diesen Vergleich braucht Hueck nicht, um der Norwegerin seinen Respekt zu zollen. Lieber analysiert er, wie sich in "Wiederholung" eine Protagonistin erzählend ihre Vergangenheit aneignet: Eine Szene zwischen einem Elternpaar und ihrer Tochter ist für die erwachsene Ich-Erzählerin der Anlass, sich an ihre eigene Jugend zu erinnern, an ihren Alltag - Schule, Freundschaft, Parties, sexuelles Erwachen - aber vor allem an die Angst der Mutter, die diesen Alltag beständig überschattete, lesen wir. Indem die Erzählerin zwischen den Zeitebenen wechselt, ihre Erinnerungen verwebt mit Reflexionen über diese Erinnerungen, nähert sie sich der Realität der Jugendlichen an und dem, was für sie damals noch im Verborgenen lag: ein Missbrauch durch den Vater, gedeckt durch die Mutter. Ob man dieses Buch nun als Roman liest oder als autobiografische Erzählung - es bleibt eine "subtil konstruierte Selbstermächtigung", eine eindrückliche Milieustudie, und eine interessante philosophische Betrachtung über den Zusammenhang von Leben und Erzählen, so der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu Die Welt, 01.03.2025
Rezensent Richard Kämmerlings hat Vigdis Hjorth in Oslo getroffen und sich von ihrer Bühnenpräsentation mitreißen und überraschen lassen. Es ist die Leichtigkeit und heitre Komik, mit der sie Kämmerlings überrascht - eine Leichtigkeit, die der Geschichte von Hjorths neustem Roman zwar innewohnt, aber erst durch die Performance wirklich zur Geltung kommt. Der "heavy stuff", erklärt die Autorin später im Gespräch, eigne sich nicht zum Lesen, den überlasse sie lieber dem geschriebenen Wort, den ruhigen Minuten. Und "heavy" ist in der Tat, wovon sie in "Wiederholungen" erzählt, lesen wir. Noch einmal greift sie hier jene Familiengeschichte auf, von der schon ihre beiden autofiktionalen Romane "Ein falsches Wort" und "Die Wahrheiten meiner Mutter" erzählten, fokussiert diesmal allerdings auf das Aufwachsen der Erzählerin Bergljot. Deren Missbrauchserfahrung liegen hier noch tief in den Winkeln ihres Unbewussten verborgen. Hjorth nähert sich dieser Wahrheit, dem Trauma langsam, in kreisenden Bewegungen an. Das Ergebnis ist ein berührender, ein tiefschürfender und dennoch unterhaltsamer, feministischer Coming-of-Age-Roman, so der bewegte Rezensent.
Themengebiete
Kommentieren
