Klappentext
Diese Geschichte beginnt in einem Sommer, kurz bevor das, was die Erwachsenen mit dem wirklichen Leben meinen, für Natascha so richtig losgehen sollte. In Glanitz, einem kleinen Ort in der Provinz, findet das Leben für sie und ihre Freunde zwischen Fußballplatz, Bushaltestellenhäuschen und Jahrmarkt statt. Immer dabei ist die Hand, wie Natascha ihn nennt. Die Hand, die auf ihrem Oberschenkel lauert, die ungefragt vordringt, während sich der Himmel von Nachtblau zu Frühmorgenblau färbt und alle besoffen sind. Fünf Jahre später hat Natascha Glanitz verlassen und lebt mit ihrer Wahlfamilie in einer besetzen Knopffabrik. Doch die Erinnerungen an ihre Jugend lassen sie nicht los, und so beginnt eine Suche, bestimmt von dem Drang, sich die Deutungsmacht über das Geschehene zurückzuerobern.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 09.12.2025
Dieser zweite Roman der deutschen Autorin über die Sprachlosigkeit von Traumata unterläuft oft leider seine eigene Komplexität, findet Rezensent Niels Schniederjann. Nach einem unter Alkoholeinfluss erlebten, sexuellen Übergriff flieht die jugendliche Protagonistin Natascha aus ihrer Heimatstadt. Sie ändert ihren Namen zu Nao und findet Unterschlupf in einem hierarchielosen und progressiven Kollektiv, das in einer verlassenen Knopffabrik lebt, fasst Schniederjann zusammen. Der erste Teil des Romans überzeuge durch seine kluge Konstruktion, die in Verhörszenen anschaulich verdeutliche, wie die Bürokratie gerade durch ihre analytische Sprache bei Traumatisierten Menschen versagt - denn oft gerade die Worte fehlen. Dem zweiten Teil hingegen gelinge es, den aufkommenden Rachefantasien der Figuren Raum zu geben, ohne sie zu romantisieren oder als definitive Lösung zu positionieren. Dadurch baut der Roman eine Komplexität auf, die leider von klischierten Wendungen und Sprachhülsen sowie dem unentschlossenen Ende wieder abgebaut wird, moniert der Kritiker. Doch die dennoch vorhandene Tiefe des Textes macht ihn für Schniederjann zu einem grundsoliden Roman.
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