Victor Sebestyen

1946

Das Jahr, in dem die Welt neu entstand
Cover: 1946
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783871348129
Gebunden, 544 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hainer Kober und Henning Thies. Nach dem zerstörerischsten aller Kriege ordnet sich die Welt von Grund auf neu. Aber auch neue Konflikte entstehen: So eint in Indien Moslems und Hindus allein der Hass auf die britischen Kolonialherren, in China greifen die Kommunisten nach der Macht, und in Palästina nimmt eine bis heute andauernde blutige Auseinandersetzung ihren Anfang. Japan wird die Demokratie verordnet, während in Europa weiterhin Vertreibung und Gewalt an der Tagesordnung sind. Zwei Weltmächte steigen auf, die fortan die Welt in Einflusssphären teilen: die USA und die Sowjetunion. Victor Sebestyen erzählt von Politikern und Revolutionären, von Churchill, Stalin, Truman, Mao oder Gandhi, und von globalen Entwicklungen, die bis heute bestimmend sind. Sein Schauplatz ist die ganze Welt; er betrachtet oft vernachlässigte Ereignisse wie etwa jene in der Türkei oder Aserbaidschan, wo die ersten Stellvertreterkriege zu eskalieren drohen. Und wer weiß schon, wie die Amerikaner und Briten hinter den Kulissen um die atomaren Geheimnisse gerungen haben?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2016

Der rezensierende Globalhistoriker Jürgen Osterhammel stöhnt auf angesichts des Buches des anglo-ungarischen Sachbuchautors Victor Sebestyen: Noch ein Epochenjahr-Buch! Und laut Rezensent auch noch eines, das die vom Autor behauptete Bildungslücke über das angeblich epochemachende Jahr 1946 kaum zu schließen vermag. Den Grund sieht Osterhammel vor allem darin, dass 1946 als Ursprungsmoment der Gegenwart einfach nicht taugt, so gern der Autor es auch hätte. Viel mehr als ein Gimmick für Geburtstagskinder des Jahrgangs kann der Rezensent im Buch nicht erkennen. Wikipedia-Einträge in eilig abgehakte, wenig zusammenhängende Episoden zu verwandeln, scheint Osterhammel zu wenig. Wenn der Autor ihm allerdings deutlich macht, dass die globale Gewalt 1946 nicht endete, ist er laut Osterhammel immerhin auf dem richtigen Weg. Genau, meint er, einen Neubeginn gab es nicht, eher einen Übergang, und das ist keine neue Erkenntnis.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.03.2016

Robert Probst ist sich der Problematik des Ansatzes des Newsweek-Journalisten Victor Sebestyen bewusst, ein bestimmtes Jahr in den Fokus der historischen Betrachtung zu nehmen. Auch entgeht ihm Sebestyens reportagehafter, anekdotenreicher, breitpinseliger Stil nicht. Trotzdem kann er an dem Buch etwas finden, weil der Autor das Jahr 1946 so ganz anders festhält als gewohnt. Nicht als Stunde null, sondern als Fortsetzung von Antisemitismus, Ideologie, Krieg und Gewalt. Die Chronologie, die der Autor mit deutlicher Schlagseite hin zu den USA erstellt, scheint dem Rezensenten oberflächlich und doch aufschlussreich.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 30.01.2016

Für Fachhistoriker hält Victor Sebestyens Buch über das Jahr 1946 kaum neue Erkenntnisse bereit, glaubt Wolfgang Schneider. Doch allen anderen Lesern gebe es Aufschluss über die weltpolitischen Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg: Einzelne Länder beleuchte es dabei genauso gut wie prägende Personen. Wenn der Autor sich mit bekannten Ereignissen befasst, dann nimmt er dabei weniger geläufige Aspekte in den Blick, hebt Schneider lobend hervor. Im Mittelpunkt des Buches stehen drei Kapitel über das Schicksal der Juden nach der Schoah und die Ablehnung, die sie auch nach dem Ende des Dritten Reichs vielerorts erfuhren - bis hin zu Pogromen. Ganz offensichtlich gefällt dem Kritiker nicht zuletzt die Darstellungsweise dieses so "bedrückenden" wie anschaulichen Buchs.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.01.2016

Andreas Fanizadeh empfiehlt das neue Buch des Journalisten und Historikers Victor Sebestyen allen, die Nachholbedarf in früher Nachkriegsgeschichte haben, und verspricht nicht nur Einblick in "die Gründe für den Kalten Krieg", sondern in zahlreiche politische Konflikte der Gegenwart. In "1946" herrscht eine Gemengelage von schwer zu bewertenden Ereignissen, verrät der Rezensent. Da ist das Problem der Entnazifizierung in Ost wie West, da sind die Displaced Persons und die Menschen, die jetzt in ihren Wohnungen wohnen, da sind die Verbrechen der Roten Armee an deutschen Zivilisten und Pogrome an Juden auch nach dem Krieg, da ist das verworrene Verhältnis des britischen Empire zum Zionismus und da sind neue Expansionsbestrebungen im Westen wie im Osten, fasst Fanizadeh zusammen. Wer die Widersprüche, die sich unweigerlich ergeben, aushalten kann, für den lohnt die Lektüre, so der Rezensent.

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