Vesna Goldsworthy

Heimweh nach Nirgendwo

Eine Lebensgeschichte
Cover: Heimweh nach Nirgendwo
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2005
ISBN 9783552060029
Gebunden, 224 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow. In Kooperation mit dem Deuticke Verlag. Das Buch erzählt die Geschichte einer Familie, die es im kommunistischen Jugoslawien zu Wohlstand und Ansehen bringt, erzählt von Krankheit und Verlust, von der Suche nach sich selbst und davon, in einer fremden Sprache zu leben und zu lieben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.03.2006

Eine ebenso "politisches" wie "persönliches" Buch erblickt Marion Löhndorf in Vesna Goldsworthys Erinnerungen an ihre Heimat Jugoslawien. Sie berichtet über den Lebensweg der 1961 geborenen Autorin: glückliche Kindheit und Jugend in Jugoslawien, 1986 Umzug nach London, Karriere beim BBC, Mutter eines Sohnes, dann der Krieg auf den Balkan und eine Krebserkrankung. Von England aus muss Goldsworthy mit ansehen, wie ihre Heimat zerfällt, Lebensform und Lebenswelt ihrer Jugend verschwinden. Löhndorf sieht das politische und historische Bewusstsein der Autorin vom "Gefühl des Verlusts und der Sehnsucht" geprägt. Spürbar ist für sie immer auch die "intellektuelle und emotionale Anstrengung" der Autorin, Flüchtiges und Verlorenes lebendig machen zu wollen - die eigene durch Krankheit gefährdete Existenz, die Familiengeschichte, ihre Identität und das verlorengegangene Gefühl der nationalen Zugehörigkeit. Auch das Leben und Empfinden in einem anderen Land und das Schreiben in einer fremdem Sprache rücke oft ins Zentrum ihrer Beschreibungen. "Die Suche nach der verlorenen Welt", schließt die Rezensentin, "wird schließlich zur Suche nach dem verlorenen Ich."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2005

Berührt zeigt sich Sandra Kerschbaumer von Vesna Goldsworthys Autobiografie "Heimweh nach Nirgendwo". Voller Sympathie berichtet die Rezensentin über die Erinnerungen der Autorin an ihre Jugend im Belgrad der siebziger und achtziger Jahre, die Welt des untergehenden Sozialismus, die Liebe zu einem Engländer, der Übersiedlung nach London und dem Leben zwischen Ost und West. Beeindruckt hat Kerschbaumer die Anschaulichkeit, mit der Goldsworthy die Orte ihrer Kindheit und Jugend schildert. Überhaupt findet sie die Sprache "plastisch und atmosphärestark", "reich und bildkräftig". Mit der Erfahrung des kriegerischen Zerfalls ihrer ehemaligen Heimat und dem Ausbruch einer Krebserkrankung stelle sich für Goldsworthy verstärkt die Frage nach dem Kern des eigenen Ich, nach der Bedeutung von Herkunft und Erinnerung. Kerschbaumer sieht in dieser Lebensbeschreibung auch den Versuch, Sinn in die Zufälligkeiten des eigenen Lebens zu bringen: "Es ist ein Versuch, durch das Erzählen das eigene Leben zu bewahren, etwas von dem festzuhalten, was vergeht."
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