Karl Kaser, Wolfgang Petritsch, Robert Pichler

Kosovo - Kosova

Wieser Verlag, Klagenfurt 1999
ISBN 9783851293043
Gebunden, 411 Seiten, 24,39 EUR

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.04.2000

Andreas Ernst bewertet die Beiträge einzeln, wobei der historische Abriss von 1285 bis 1997 Kasers nicht besonders gut abschneidet. Der Rezensent hat offenbar nicht prinzipiell etwas dagegen, auch Mythen bei solch einer Darstellung zu berücksichtigen. Hier allerdings "verschleiern die Mythen die Fakten", findet er und fühlt sich bisweilen historisch unzureichend informiert. An Robert Pichlers Beitrag bemängelt Ernst eine mangelnde Präzision, auch hinsichtlich der Nachweise, und vor allem stört ihn die "unausgesprochene These" des Autors, auch unter Tito sei die Verfolgung der Kosovo-Albaner politisches Ziel gewesen. Dies sei schlichtweg falsch, meint der Rezensent. Ernst wirft beiden Autoren vor, dass sie zu wenig auf die Rolle des albanischen Nationalismus eingehen, sondern vielmehr allzu simpel die Täter- und Opfer-Rollen verteilen. Politisch sei dies "katastrophal". Einzig der Beitrag des ehemaligen Sonderbeauftragten Petritsch schneidet hier gut ab. Ernst scheint es zu begrüßen, dass Petritsch sich nicht scheut, auch die Rolle der UCK kritisch zu beleuchten, die diese bei den Friedensverhandlungen - und ihrem Scheitern - gespielt hat.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.03.2000

Mirsad Tilic bespricht in einer Sammelrezension drei aktuelle Bücher zum Kosovokrieg: "Kosovo/Kosova" von Petritsch/Kaser/Pichler (Wieser Verlag), "Der Weg in den Krieg - Deutschland, die Nato und das Kosovo" von Matthias Küntzel (Elefanten Press) und "Kosovo. Ursachen und Folgen eines Krieges in Europa" von Matthias Rüb (dtv). Von diesem Band ist er nicht so richtig überzeugt. Er quillt über von Fakten, Originaltexten und Quellenauszügen, klagt er. Selbst der Vertrag von Rambouillet sei auf 43 Seiten nachgedruckt worden - in der englischen Originalsprache. "Ein Lesebuch oder eher ein Nachschlagewerk?" fragt sich Tilic. Er bedauert vor allem, dass Wolfgang Petritsch, ehemals Österreichs Botschafter in Belgrad, keine "persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen" mitteilt.