Er war ein scharfzüngiger Kritiker, dessen Urteil man fürchtete, der es aber auch wie kein Zweiter verstand, für große Bücher zu begeistern: Marcel Reich-Ranicki konnte mit Worten Berge versetzen, aber eines gelang ihm nie: sein Publikum zu langweilen. Gestützt auf zum Teil bisher unveröffentlichte Quellen und auf Gespräche mit einstigen Weggefährten und Gegnern beschreibt Uwe Wittstock das Leben dieses Büchermenschen und Musikliebhabers: von der Hölle des Warschauer Gettos zum wichtigsten Literaturkritiker der Bundesrepublik Deutschland, der mit dem Literarischen Quartett für einige Jahre leidenschaftliche Diskussionen über Literatur im Fernsehen zu etablieren verstand - ein Wunder, das sich als unwiederholbar erwies.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.06.2015
Volker Breidecker hat sich noch noch einmal Uwe Wittstocks MRR-Biografie vorgenommen, die zehn Jahre nach ihrem Erscheinen in aktualisierter und überarbeiteter Version vorliegt. Die erste Ausgabe wurde laut Breidecker schächer, je mehr sie an die Gegenwart heranrückte, die Wittstock mit seinem einstigen Chef in der FAZ-Literaturredaktion teilte. Jetzt klappe der Wechsel zwischen Binnen- und Außensicht besser, findet der Rezensent, ein anderes Manko bleibt: Wittstock mildere selbst bei den Themen ab, bei denen Marcel Reich-Ranicki bewusst und gern polariserte. Und auch wenn Wittstoch noch einmal sehr deutlich mache, dass MRRs große Leistung darin bestand, die Kritik als Trägerin von "Literatur und humanem Geist" stark zu machen, fordere bereits der Betrieb seinen Tribut.
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