Herausgegeben von Gary Lee Baker, Robert Gillett und Katja Leuchtenberger. Mit Berliner Sachen veröffentlichte Uwe Johnson 1975 erstmals einen Band mit Aufsätzen. Hierfür stellte er Texte zusammen, die zwischen 1961 und 1971 entstanden sind und größtenteils schon an anderer Stelle publiziert waren. Die Texte sind zumeist aus tagespolitischem Anlass geschrieben und zeigen Johnson als einen wachen Intellektuellen, der mit seinen journalistischen Recherchen im politischen Geschehen interveniert. Johnson hat 13 Texte unterschiedlicher Länge und Art sorgfältig zu einem Band arrangiert, der über tagesaktuelle Stellungnahmen hinausreicht. Nicht alle kreisen um Berlin, nicht einmal alle unmittelbar um Deutsch-Deutsches. Aber alle kreisen um die Möglichkeit und Unmöglichkeit des Dialogs und sind auch untereinander als Dialog kenntlich gemacht, zu verstehen als Einladung zum Gespräch über und gegen die Sprachlosigkeit des geteilten Berlin. Johnson bemühte sich, Berlin eine Stimme zu geben.Das international besetzte Herausgeberteam greift in seinen Erläuterungen und Kommentaren genau diese Eigenheit von Johnsons Zusammenstellung auf: Es ist ein Blick über den deutsch-deutschen Tellerrand hinaus und von überzeitlicher Geltung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2026
Für den Rezensenten Jürgen Verdofsky als Fan sind die von K. Leuchtenberger, G.L. Baker und R. Gillett herausgegebenen Texte von Uwe Johnson im Rahmen der Rostocker Ausgabe Pflichtlektüre. Wie der Heimkehrer Johnson 1961 Berlin erlebte ("Berliner Stadtbahn"), was er über studentische Fluchthilfe dachte ("Eine Kneipe geht verloren") und vor allem, wie er Berlin als Lebensraum und die Mentalität der Berliner beschrieb, liest Verdofsky mit Freude. Die gewohnt eigenwilligen Texte haben Bestand, findet er, sind ergreifend bzw. von scharfer analytischer Kraft und Kritik. Dass bei einem mächtigen Kommentar von 580 Seiten, den Verdofsky zu schätzen weiß, Johnsons Interviews mit Fluchthelfern nicht vorkommen, findet er bedauerlich.
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