Uwe C. Steiner

Ohrenrausch und Götterstimmen

Eine Kulturgeschichte des Tinnitus
Cover: Ohrenrausch und Götterstimmen
Wilhelm Fink Verlag, München 2012
ISBN 9783770553365
Kartoniert, 278 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Uwe C. Steiner erzählt die faszinierende Geschichte des Ohrenklangs und seiner Deutungen, denn das Leiden hat seit jeher existiert und medizinische Rätsel aufgegeben. Heute versuchen die Ärzte ihr Glück mit akustischer Stimulation, Verhaltenstherapien, Tabletten, Physiotherapie und sogar elektrischen Gehirnstimulationen. Einst aber verordnete man dagegen in Honig gekochte Haselmäuse, Urin oder Mandelöl.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.01.2013

Rezensent Uwe Justus Wenzel kann diesen unter dem Titel "Ohrenrausch und Götterstimmen" erschienenen Essay über den Tinnitus in jedem Fall empfehlen. Der Literaturwissenschaftler Uwe C. Steiner untersuche hier etwa anhand der Aufzeichnungen von Jean-Jacques Rousseau und Martin Luther, was die Wahrnehmung des Ohrenrauschens für die Subjektwerdung des neuzeitlichen Menschen bedeute: Der Tinnitus setzte nicht nur Selbstbeobachtung und Selbsterkundung voraus, sondern sei geradezu ein "Subjektivitätsgenerator". Zwar unterstellt der Kritiker dem Autor, der die beiden Interpretationen seiner Meinung nach zu wenig voneinander trenne, hier einen etwas zu "überambitionierten Deutungswillen". Dennoch folgt er interessiert Steiners Überlegungen zur Bedeutung des Tinnitus im 19. und 20. Jahrhundert: Als "Betriebsgeräusch der Moderne" stehe das  Ohrklingeln für das "nervöse Pulsieren der Großstadt" und erscheine nun als Symptom der "Auflösung" des Subjektes. Darüber hinaus hat der Kritiker in diesem lehrreichen Essay auch erstaunlich viele Belege für die Bedeutung der Ohrengeräusche in der Gegenwartsliteratur gelesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2012

Eine interessante Perspektive eröffnet Uwe C. Steiners "Kulturgeschichte des Tinnitus" nach Ansicht von Martina Lenzen-Schulte. Ihr war vor der Lektüre nicht bewusst, welche Fülle an Phänomenen der Tinnitus umfasst und wie reich dessen literarische Verarbeitung ist. Neben Ärzten und prominenten Opfern wie Luther, Bacon, Lichtenberg und Beethoven bezeugen zahlreiche Schriftsteller von Jean Paul über Kafka bis zu Handke, Walser und McEwan die Bedeutung des Tinnitus. Die Interpretation des Tinnitus als Chiffre für das Selbst- und Wirklichkeitsverständnis der Moderne scheint der Rezensentin allerdings nicht immer überzeugend. So wirkt es auf sie mitunter schon etwas "erzwungen", wenn der Autor die akustischen Reizüberflutung und Tinnitus als prägenden Phänomen der Epoche erklärt.
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