Aus dem Französischen von Daniel Schierke. Peter Szendy legt mit seiner Studie eine Archäologie des musikalischen Zuhörens vor. Er schreibt eine Geschichte unserer Ohren und fragt danach, wie sie sich in der Vergangenheit verändert haben und welche neuen Möglichkeiten ihnen durch die technologischen Fortschritte im 21. Jahrhundert zur Verfügung stehen. Szendys Archäologie ist zugleich eine Rechtsgeschichte. Insbesondere legt er in seiner Studie dar, inwiefern unser Zuhören von juristischen Auseinandersetzungen geprägt worden ist und seit wann die eigenmächtige Verwendung eines Musikstücks nicht mehr als Ehrerbietung, sondern als Diebstahl geistigen Eigentums gilt. Anhand einer Analyse verschiedener Musikprozesse des 19. Jahrhunderts fragt der Autor nach der Genese des Urheberrechts, das das Hören von Musik unmittelbar veränderte. Aus der Rekonstruktion dieser Prozesse entsteht ein Bild wechselseitiger Beeinflussungen von Musik und Recht. Der Leser wird mit Tatorten des Zuhörens vertraut gemacht und trifft dabei auf Beethoven, Wagner, Schumann, Liszt u.v.m., die ihm jedoch nicht als Komponisten, sondern als Zuhörer begegnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2015
Die Amsterdamer Musikprofessorin Julia Kursell nimmt die Aufforderung zum Dialog über das Hören von Peter Szendy dankbar an. Sie lernt dabei, wie Musikhören selbst ein Prozess der Aneignung ist, das sich beobachten und analysieren lässt. Wenn Szendy als Hörer die Aufführungsgeschichte des "Freischütz" oder digitales Hören untersucht und es mit Hilfe der Dekonstruktion und der Diskursanalyse von überkommenen Gehorsamkeitsforderungen befreit, klingen Kursell wahrlich die Ohren.
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