Ute Frevert

Vertrauensfragen

Eine Obsession der Moderne
Cover: Vertrauensfragen
C.H. Beck Verlag, München 2013
ISBN 9783406656095
Broschiert, 258 Seiten, 17,95 EUR

Klappentext

"Vertrauen" - kaum ein Begriff hat in den letzten Jahren eine so rasante Aufmerksamkeits- und Erregungskonjunktur zu verzeichnen. Auf Wahlplakaten und in der Produktwerbung begegnen wir ihm, bei jeder Krise wird sein Verlust alarmierend beschworen. Wo Vertrauen in Frage gestellt wird, da gedeiht rasch eine Kultur des Verdachts und der Rechenschaftspflichten mit langfristig fragwürdigen Folgen. Ute Frevert zeichnet in ihrem Buch zunächst die seltsame Karriere des Vertrauens in der Moderne nach, das seit dem 18. Jahrhundert zunehmend säkularisiert und entmoralisiert wurde. Sie untersucht sodann den Gebrauch des Begriffs in unterschiedlichen Kontexten wie Familie/Freundschaft, Schule, Ökonomie und Wissenschaft. Schließlich wirft sie auch einen kritischen Blick auf die "V-Waffe", den inflationären Einsatz des Vertrauensarguments in der Politik.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.12.2013

Was Ute Frevert hier zum Thema Vertrauen vorgelegt hat, ist keine große Studie, baut Johan Schloemann falschen Erwartungen vor, sondern vielmehr eine Ansammlungen von Beobachtungen, Befunden, die mitunter pointiert ausfallen, aber nicht immer ganz tiefgründig. Frevert geht von einer Überbeanspruchung des Vertrauensbegriffs aus, ständig fordern Politiker, Händler oder Werber Vertrauen ein oder sprechen von Vertrauen, wenn es eigentlich um Mehrheiten oder Kaufanreize geht. Nicht immer kann man Schloemann folgen, wenn er etwa vom Vertrauen spricht, dessen Berechtigung durch einen Kontrolldienst wie die Schufa hergestellt werde, vermisst man irgendwie die Anführungszeichen. Aber sehr deutlich wird, dass Schloemann unzählige Belege für eine "semantische Entgrenzung des Vertrauens" gefunden hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.11.2013

Rezensent Thomas Gross hat Ute Freverts nun unter dem Titel "Vertrauensfragen" erschienene Kulturgeschichte des Vertrauens mit großem Interesse gelesen. Die Berliner Historikerin untersuche die weitreichende Bedeutung des Begriffs in der Moderne, informiert der Kritiker, der hier etwa nachliest, wie sich die Definition vom einstigen Gottvertrauen immer weiter in den Bereich des Zwischenmenschlichen, aber auch in die politische und ökonomische Ordnung verschiebt. Während Wissenschaft und Kunst in diesem Buch ein wenig zu kurz kommen, lobt Gross die mit zahlreichen Belegen angereicherte Untersuchung des Begriffs im Bereich der Politik und Sozialgeschichte. Und so erfährt der Rezensent nicht nur, wie das Vertrauen in der romantischen Liebe zur bestimmenden Größe wird und welche Bedeutung der Begriff etwa in der modernen Pädagogik seit Pestalozzi hat, sondern auch welchen Stellenwert heute Konsum- und Markenvertrauen haben oder wie weit die Kreditwürdigkeit überprüft werden kann. Sein Urteil: Ein äußerst lesenswertes Buch.
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