Gefühle sind nicht nur per se vergänglich, sie sind es auch in der historischen Zeit. Es gibt Gefühle, zum Beispiel Ehre, die uns fremd geworden sind, die aber unseren Groß- und Urgroßeltern noch vertraut waren. Umgekehrt finden heute Empfindungen großen Anklang, wie Empathie und Mitleid, um die sich vormoderne Gesellschaften kaum scherten. Ute Frevert geht in ihrem Essay der Frage nach, wie sich solche emotionalen Konjunkturen erklären lassen, und zeigt damit, wie sich Emotionen in der und durch die Geschichte wandeln.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.08.2013
Nicht überzeugt zeigt sich Stephan Speicher von Ute Freverts Versuch, Auf- und Niedergang bestimmter Gefühle, wie Mitleid oder Scham, als Ideengeschichte zu erzählen. Soviel Rousseau und Lessing kann die Autorin gar nicht zitieren, soviel Begriffsarchäologie nicht betreiben, wie dem Rezensenten Fragen dazu einfallen. Etwa zur Methodik einer solchen Arbeit. Theoretische Antworten jedoch bleibt ihm Frevert schuldig. Anderes im Buch bleibt laut Speicher im Bereich bloßer Behauptung, so das von Frevert erwähnte Schamgefühl von Reptilien.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 13.03.2013
Rezensentin Waltraud Schwab folgt Ute Frevert sehr gerne bei deren "kenntnisreichen" Darlegungen zur Historizität der Gefühle, an deren jeweiligen Stand sich Veränderungen einer Kultur nachvollziehen lassen. So etwa am Begriff der "Scham", dessen Wandel von der Bezeichnung des zunächst menschlichen, später allein weiblichen Geschlechtsbereichs bis zu sehr heutigen Begriffen wie "Fremdschämen" die Rezensentin ausführlich referiert. Dass die Autorin dabei sehr genderbewusst argumentiert und ihre Darlegungen mit einer "charmanten Boshaftigkeit" garniert, weiß Schwab dabei zu schätzen.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Anne Carson: Der bittersüße Eros Aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Es war eine Dichterin, Sappho, die dem Eros das paradoxe Attribut "bittersüß" gab. Dies geschah in der Zeit,…