Mit Abbildungen. In einer eindrucksvollen Serie hat Ursula Schulz-Dornburg das monumentale Archiv der spanischen Kolonialmacht in Sevilla dokumentiert - Bilder, die ahnen lassen, was die Regale beherbergen: Geschichten von Entdeckungsreisen, von der Hybris der Herrschenden und folgenreiche Schriftstücke. Seit 1785 sind hier 300 Jahre spanische Kolonialgeschichte in Amerika archiviert, 8.000 Karten, rund 90 Millionen Dokumente - darunter beispielsweise das Bordbuch des Kolumbus sowie der berühmte "Vertrag von Tordesillas": 1494 zeichneten die Könige von Portugal und Spanien, vermittelt vom Papst, eine Linie durch den Atlantik und teilten die neu entdeckten und noch zu entdeckenden Länder der Welt unter sich auf. Und der Historiker Martin Zimmermann unternimmt eine Reise ins Zeitalter der "Entdecker" und erzählt von gefährlichen Überfahrten, der Begegnung mit dem Fremden, kolonialer Gewalt, der Macht der Kartografie - und vom unstillbaren Wunsch, sich die ganze Welt zu erschließen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.02.2021
Rezensent Thomas Steinfeld spürt in Ursula Schulz-Dornburgs Fotografien aus dem "Archivo General de Indias" in Sevilla dem Anfang der Globalisierung nach. Auch wenn das Archiv und seine Dokumente über die Aufteilung der Welt zwischen Spanien und Portugal von verschwundener Zeit künden, wie Steinfeld anmerkt, und die Fotografin so sachlich und neutral wie möglich vorgeht, bleibt darin doch die Macht kenntlich, und sei es nur durch die Ahnung ihrer Repräsentation. Wo die "leibhaftige Anschauung" fehlt, bieten Schulz-Dornburgs Bilder einen künstlerischen Ersatz, gibt Steinfeld zu verstehen.
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