Birthe Kundrus (Hg.)

Phantasiereiche

Zur Kulturgeschichte des deutschen Kolonialismus
Cover: Phantasiereiche
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783593372327
Broschiert, 327 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Als das Deutsche Reich 1918 seine Kolonien verlor, war die deutsche Kolonialgeschichte noch nicht abgeschlossen. Ökonomisch war den Kolonien nie große Bedeutung zugekommen, dennoch waren an deren Besitz Wünsche, Hoffnungen und Phantasien geknüpft, die sich auf Selbstverständnis und Kultur der Deutschen auswirkten. Sie fanden Eingang in Literatur, Film, Werbung und Gesetzgebung. Der Band zeigt, wie der Kolonialismus zwischen 1884 und 1945 die Vorstellungen von "Rassen" und vom "Fremden" veränderte und damit das Selbstbild der Deutschen - als Männer, als Frauen, als Weiße, als Bürger.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.09.2003

Die deutsche Kolonialgeschichte wird in letzter Zeit wieder entdeckt, berichtet Rezensent Andreas Eckert. Auch der von Birthe Kundrus herausgegebene Band widmet sich dieser Thematik. Wie Eckert ausführt, verdeutlichen die Beiträge des Bandes insbesondere, dass die deutschen Kolonien auch nach ihrem Verlust im Ersten Weltkrieg Objekt diverser Sehnsüchte blieben. Neben den Beitrag von Dirk van Laak über die populäre Vorstellung von den afrikanischen Kolonien als Expansionsraum der Deutschen hebt Eckert den Beitrag Christian Rogowskis über die organisierte Kolonialbewegung der Weimarer Republik hervor. Insgesamt findet er es begrüßenswert, dass mit diesem Band die koloniale Erfahrung wieder stärker an die deutsche Geschichte rückgebunden wird. Ein wenig missfällt ihm allerdings, dass die Kolonialisierten "nahezu komplett" ausgeblendet werden und allenfalls als "Projektionsfläche" vorkommen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.09.2003

Wenig überzeugt klingt Jürgen Zimmer von Birthe Kundrus' Sammelband zum "emotionalen und phantastischen Charakter der Kolonialdiskussion". Insgesamt biete die Aufsatzsammlung zwar einen thematisch breit gefächerten Überblick darüber, was bei der Übertragung der in den USA boomenden 'post-colonial-studies' auf den deutschen Kolonialismus bisher herausgekommen ist. Leider kämen aber einige der hier zu Wort kommenden Autoren den "kolonialen 'Entdeckern' Amerikas" gleich, die nur das neue Land in ihre Betrachtungen einbezögen, aber nicht die dort lebenden Menschen, kritisiert der Rezensent. Die seit über 40 Jahren existierende und durchaus "fruchtbare Kolonial- und Außereuropaforschung" werde sogar weitestgehend ausgeblendet. So könne leicht der Verdacht aufkommen, "ein veritabler Völkermord" sei eine "koloniale Normalerscheinung", beklagt Jürgen Zimmer.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.06.2003

Brigitte Reinwald findet, dass Studien zum deutschen Kolonialismus aus sozial- und kulturhistorischer Perspektive nachgeholt werden müssen und lobt deshalb den Sammelband "Phantasiereiche", der 14 Beiträge einer internationalen Konferenz enthält, die im November 2001 an der Universität Oldenburg stattfand. Schon den Titel findet Reinwald gut gewählt, verweise er doch einerseits auf die Bedeutung "von Phantasien als wichtiges Antriebsmoment in der kolonialen Bemächtigungsgeschichte" und andererseits auf die Tatsache, dass nach dem "Verlust" der Kolonien die Großmachtsambitionen weiterblühten. Ziel des Bandes sei es, die Einbettung des kolonialen Projekts sowohl in den Alltag als auch in die Vorstellungswelt der deutschen Gesellschaft zwischen 1884 und 1945 aufzuzeigen. Dieses "weit gefasste Konzept von Kultur" bildet in Reinwalds Augen die "methodologische Klammer", die die kenntnisreichen Beiträge zusammenhält. So gelinge es den Autoren "dem Selbstverständnis einer Gesellschaft auf die Spur zu kommen, deren Vorstellungen von Raum, Rasse, Kultur, Nation und Geschlecht vom kolonialen Projekt durchwoben sind".
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