Der Architekt Rudolf Olgiati, 1910 in Chur geboren, 1995 in Flims gestorben, entwickelte Mitte des 20. Jahrhunderts eine Synthese zwischen der anonymen Bündner Bautradition, klassischer griechischer Architektur und einer Moderne, die sich an Le Corbusiers Denken und Bauten orientierte. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse dienten ihm als Beweis für seine These, dass es einen zeitlosen, natürlichen Sinn für ästhetische Zusammenhänge gibt: "Schönheit ist ein Wert für unsere Seele. Und dafür ist die Architektur zuständig".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.05.2005
"Lust zu blättern, zu lesen und zu schauen" bekommt unser Rezensent Jürgen Tietz beim Aufschlagen von Ursula Riederers Monografie über den Bündner Architekten Rudolf Olgiati (1910-1995). Michael Bühlers Fotografien bildeten "eine ganz eigene Bauwelt" ab, in die der Rezensent fasziniert eintaucht. Er erfährt, dass sie unter dem Einfluss der Moderne Le Corbusiers enstanden sei, sich aber auch an zeitlosen ästhetischen Idealen der Antike orientiert habe und gleichfalls in der historischen Tradition Graubündens stehe. Das Widerständige dieser Architektur, die sich gängigen Kategorien der Baustilkunde verschließe, ist es, das Riederer besonders hervorhebt, meint Tietz, der dem Band weiterhin entnimmt, dass Olgiatis Bauwerke gemäß seinen selbst gestellten Ansprüchen den Menschen in der Entwicklung seiner Fähigkeiten unterstützen und die Fantasie anregen sollten. Die Fantasie anzuregen vermag wohl auch Riederes Buch, wenn der Gesamteindruck der Rezension nicht vollkommen täuscht.
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