Mit 120 s/w-Abbildungen. Eine kunsthistorische Analyse der fotografischen Antikenrezeption ist längst überfällig. Am Beispiel der Tempelfotografien von Walter Hege und Herbert List untersucht Matthias Harder das antike Ideal zwischen Philhellenismus und Nationalsozialismus. Dabei begreift der Autor die Fotografien nicht als Hilfsmittel für die Kultur- und Altertumswissenschaften, sondern als Gegenstand der Kunstgeschichte selbst, als autonome Kunstwerke. Die Griechenlandaufnahmen von Walter Hege und Herbert List entstanden in den 1920er und 1930er Jahren. Damals bewegte sich die Rezeption der antiken Tempelarchitektur zwischen der Vorstellung einer ehemals heiligen Stätte und romantischer Ruinenästhetik. Durch Heges Objektiv sehen wir die Tempel als Metapher für politische Macht und den Herrschaftsanspruch der frühen Athener Demokratie. Im Gegensatz dazu sind die Architekturfragmente in Lists fotografischer Ästhetik komponierte Stillleben. List spielte in Griechenland bewusst mit dem Zufall als Kompositionselement, mit Gegenlichtaufnahmen und gelegentlich mit Doppelbelichtungen. Beide Fotografen schufen keine objektiven Abbilder, sondern interpretierten und inszenierten die griechischen Tempel mit Hilfe der Kamera. Sie stehen exemplarisch für zwei fotografische Grundüberzeugungen: kontextgebundene Abbildungsgenauigkeit versus Verfremdung durch enge Bildausschnitte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.01.2004
Das "große Verdienst" dieses Buches, lobt Rezensent Wolfgang Schuller, ist es, dass hier durch die erstmalige Gegenüberstellung der beiden Fotografen Walter Hege und Herbert List "die Charakteristika beider" deutlich werde. Beide sind, wie Schuller berichtet, insbesondere für ihre Aufnahmen griechischer Skulpturen und Tempelarchitektur bekannt. "Interessant" findet der Rezensent auch, was über die sehr unterschiedliche politische Stellung beider, und ihr kompliziertes Verhältnis zum Nationalsozialismus mitgeteilt wird: List war homosexuell und fiel zudem unter die Nürnberger Rassegesetze, berichtet Schuller, Hege dagegen war schon vor 1933 Parteigenosse, doch Leni Riefenstahl war der Bildsprache von List näher. Das Buch ist "prachtvoll" ausgestattet, lobt Schuller, es enthalte zahlreiche Reproduktionen "wundervoller" Fotografien, und der Verfasser argumentiere "überzeugend". Allerdings hat Schuller ein Register vermisst, und "erst recht" einen Lektor, der etwas gegen "zahlreiche und ungelenke Weitschweifigkeiten und Wiederholungen" hätte unternehmen können.
Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Christine Wunnicke: Wachs Schauplatz ist Frankreich im 18. Jahrhundert, das vorrevolutionäre und das überaus revolutionäre. Und es lieben sich zwei Frauen, die verschiedener nicht sein könnten: Marie…