"Überwintern" schildert vor dem Hintergrund einer Welt der Krisen und Verwerfungen die Geschichte der Radikalisierung zweier junger Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Benjamin und Jonas prügeln sich auf dem Schulhof. Der rebellische Außenseiter Jonas und der karrierebewusste Gymnasiast Benjamin. Obwohl sie vieles trennt, entsteht eine Art Freundschaft. Ihre Wege gehen auseinander, doch Überdruss und Langeweile angesichts einer sinnlos scheinenden Welt führt sie immer wieder zusammen.Je zorniger sie werden, desto unbedeutender und verlogener wird ihnen die vertraute Umgebung. Der als zynisch und geschwätzig erscheinenden Welt haben sie nichts als ihre entgrenzte Männlichkeit entgegenzusetzen. Sie brechen sämtliche Verbindungen ab und ziehen als Söldner Richtung Osten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2020
Rezensent Nils Kahlefendt hat Einwände gegen den Roman von Urs Zürcher. Die Geschichte der Radikalisierung eines jungen Mannes, vom Autor auf klassische Weise inszeniert, scheint ihm bisweilen Richtung Kolportage abzudriften, vor allem, wenn Zürcher seinen Protagonisten zu Wehrsportübungen in die ostdeutsche Provinz schickt. Subtiler zeigt der Autor den Weg der Figur zum rechten Rand, wenn er Zeitgeschichte, gut gezeichnete Nebenfiguren und Alltag miteinander verwebt. Dann scheint das Buch Kahlefendt zum Besten zu gehören, was der Autor geschrieben hat.
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