Urs Faes

Liebesarchiv

Roman
Cover: Liebesarchiv
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518418765
Gebunden, 227 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

"Ich habe ihn geliebt. Er ist die große Liebe meines Lebens gewesen..." Mit diesen Worten stellt sich dem zu einer Lesung in einer Kleinstadt am Rhein angereisten Autor eine alte Dame vor. Es ist November, Allerheiligen, schon der Weg zur Lesung hatte Erinnerungen wachgerufen, Vergangenes. Nun steht ihm diese Unbekannte gegenüber, Anna Altmann, die behauptet, vor vielen Jahren die Geliebte seines Vaters gewesen zu sein. "Sie sind wirklich sein Sohn", sagt sie, "Sie sehen ihm ähnlich." Sie übergibt ihm ein Foto und ihre Telefonnummer. Die Begegnung lässt ihn ratlos zurück, er ruft nicht an, schiebt die Gedanken daran hartnäckig fort - bis er eines Tages die Nachricht vom Tod Anna Altmanns erhält. Der Brief stammt von ihrer Tochter Vera, die ihn bittet, ein paar Dinge abzuholen: Fotos, Briefe, Liebeszeichen, die Anna über all die Jahre aufgehoben hatte, Zeugnisse der Liebe zwischen Anna und seinem Vater; Vera nennt sie das "Archiv", das "Liebesarchiv".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007

Am Sujet - ein Schriftsteller entdeckt die in Liebesdingen verwickelte Vergangenheit seiner Eltern - hat Maike Albath eigentlich gar nichts auszusetzen, aber wie Urs Faes seine Spurensuche entfaltet, trägt ihm ausnahmslos Rügen seitens der Rezensentin ein. Auf Albaths Tadelliste steht ein blass bleibender Ich-Erzähler, die höchst triviale Wendung, als der Protagonist sich in die Tochter der ehemaligen Geliebten seines Vaters verliebt, und schließlich der gedrechselte Sprachduktus sowie ungelenke, verplapperte Dialoge. So lasse sich die Vergangenheit nicht zum Sprechen bringen, schließt die Rezensentin unzufrieden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2007

Angetan zeigt sich Sabine Doering von Urs Faes' Roman über einen Schriftsteller auf den Spuren des Doppellebens seines Vaters. Die Schilderung der quälenden Vatersuche des Ich-Erzählers weist für Doering viele Motive auf, die schon in früheren Werken des Schweizer Autors auftauchen und die autobiografischen Hintergrund haben. Damit offenbare der Autor Facetten seiner eigenen Lebensgeschichte, ohne dabei ins Autobiografische oder gar Dokumentarische zu geraten. Doering unterstreicht die Unterschiede zu den sogenannten deutschen Vaterbüchern der siebziger Jahre, in denen zornig mit der politischen Vergangenheit der Väter zur Zeit der Nazidiktatur abrechnet wurde. Demgegenüber findet sie in vorliegendem Roman, wie bei den Schweizer Autoren der mittleren Generation überhaupt, einen "nüchternen, um Verstehen bemühten Blick". Dabei attestiert sie Faes einen "eigenen Ton", der streckenweise eine "hohe poetische Dichte" gewinne.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.02.2007

Urs Faes traut der Rezensent was zu. Leider kommt Roman Bucheli dieser Roman des Schweizers etwas "lehrbuchmäßig" vor. Zwar lässt er keinen Zweifel am dramaturgischen Geschick und dem kompositorischen Talent des Autors, wenn dieser mit verschiedenen Zeitebenen jongliert, und die Topoi der Mnemosyne und der Vatersuche erscheinen ihm noch immer frisch genug für eine Story, den Ich-Erzähler jedoch nimmt er dem Autor nicht ab. Wieso auch musste Faes dafür einen "blassen" Schriftsteller wählen! Die distanzlose Perspektive und das ungebrochene Pathos, fordert Bucheli, bitte sehr nächstes Mal durch Anschaulichkeit ersetzen.
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