Künstler, Verwaltungsbeamter, Politiker und Diplomat - Dieter Sattler war all dies. Er gestaltete die deutsche Kulturpolitik der Nachkriegszeit hinter den Kulissen mit, als bayerischer Staatssekretär für die Schönen Künste, als Kulturattache in Rom, als Kulturabteilungsleiter im Auswärtigen Amt und als Botschafter am Heiligen Stuhl. Die Biographie stellt eine faszinierende Persönlichkeit mit weitläufigen Verbindungen vor, beleuchtet Grenzen und Möglichkeiten eines Vertreters des zweiten Glieds und bringt Licht in ein bislang vernachlässigtes Feld der Forschung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.12.2004
Viel Anerkennung verdient Hans-Jürgen Döscher zufolge die vorliegende Biografie des Kulturpolitikers Dieter Sattler, den der Rezensent als einen Außenseiter unter den Kulturpolitikern der frühen Bundesrepublik bezeichnet. Politisch unbelastet und des Englischen mächtig wurde der Münchener Architekt nach dem Krieg zum "chief architect" der amerikanischen Militärregierung in München berufen, später ging er als Staatssekretär ins bayrische Kultusministerium und wechselte später für das Auswärtige Amt als Kulturattachee zur Deutschen Botschaft in Rom. Spätestens ab 1955, weiß Döscher, wurden viele der nach 1945 berufenen Kulturleute wieder ausgewechselt, Sattler machte da eine Ausnahme - und, so Döscher, er machte seine Sache gut. Ihm gelang es, die Kulturarbeit im Ausland soweit zu festigen, dass sie später als Modell auf die Goethe-Institute übertragen werden konnte. Sattler war ein "Mehrzweckdiplomat", sagt Döscher, ein "Brückenbauer" und zugleich eine vielseitige Persönlichkeit, der Ulrike Stoll viele über den biografischen Werdegang hinausgehende Facetten zur Zeitgeschichte abgewonnen habe.
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