1940 ist Chiune "Sempo" Sugihara offiziell der japanische Vize-Konsul in Litauen. Tatsächlich aber spioniert er als Agent seines Außenministeriums deutsche und russische Truppenbewegungen aus. Seit seinen Lehrjahren in japanischen Kolonien ein entschiedener Gegner von Tyrannei und Unterdrückung, nimmt er sich der jüdischen Flüchtlinge an, die sein Konsulat belagern. Gemeinsam mit einem kreativen holländischen Konsul und einem profitorientierten russischen Kommunisten heckt er einen wahnwitzigen Plan aus, ihnen mit Visa zweifelhafter Gültigkeit die freie Passage nach Japan zu ermöglichen. Für die Juden beginnt eine aufreibende Odyssee durchs eiskalte Sibirien und über die raue japanische See in die Freiheit. Für Sugihara folgen Kriegsgefangenschaft, die unehrenhafte Entlassung aus dem Staatsdienst, Gelegenheitsjobs in Japan und Russland. Erst Jahrzehnte später erfährt er, dass sein Plan aufgegangen ist, und erst kurz vor seinem Tod wird er als Held des Holocaust anerkannt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 28.11.2022
Rezensent Marko Martin ist froh und dankbar, nun endlich die Geschichte des japanischen Diplomaten Chiune Sugihara nachlesen zu können, der zu Beginn des zweiten Weltkriegs schätzungsweise zwischen sechs- und zehntausend Juden mit der Ausstellung von Transitvisa das Leben rettete. Neunkirchen berichtet Spannendes zu Sugiharas Background, seiner Spionagetätigkeit und auch seiner zunehmenden Erschöpfung. Auch seine letztendliche Entlassung aus dem diplomatischen Dienst und die Ehrung als "Gerechter unter den Völkern" kämen nicht zu kurz. Schön, dass nun dieses sorgfältig recherchierte Buch vorliegt, findet der Rezensent.
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