Am Anfang war das Licht, oder doch die Lumières? Von der Erschaffung der Welt ist es in Ulrike Almut Sandigs neuem Gedichtband nur ein "Feuer, Erde, Wasser, Sprung" zur Sinfonie der Berliner Großstadt. Dort gilt es, Position zu halten vor Lampedusa, Nein zu sagen zum Kühlschranklicht und zu Deutschland als befristetem Aufenthalt. Dienen uns leuchtende Schafe als Nachtspeicher für finstere Stunden, wenn wir uns fürchten vor Gott als Turnlehrer mit Triller pfeife, Müttern mit Augen wie Kakao oder der Staatenbildung unserer Selbst?Sandigs neue Texte sind nicht nur visuelle Poesie auf dem Papier, sondern auch Loops im Ohr und filmische Bild explosionen für alle Sinne. Mit Sprechsoftware rückt sie Gedichten der deutschen Romantik zuleibe und fasst deren koloniale Kehrseite in kunstvolle Anagramme.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2022
Ein Gesamtkunstwerk ist diese Gedichtsammlung von Ulrike Almut Sandig, verrät uns Rezensent Fridtjof Küchemann, eines, das verschiedenste Genres und Medien abdecke und das sich auch fremder Texte wie derer Hölderlins bediene. Der Rezensent freut sich über die schwingende Leichtigkeit, den Innovationsgeist der Gedichte, die verschiedenste Themen von Vergänglichkeit über Mutterschaft bis Sexualität abdeckten. Das "Sprachvertrauen" der Autorin wirkt auf Küchemann regelrecht freiheitsstiftend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.05.2022
Rezensent Eberhard Geisler scheint angetan von Ulrike Almut Sandigs neuen Gedichten. Wie sich die Autorin an die eigene Kindheit und Jugend bei Meißen erinnert, sich das Kinderlied-Wesen Zippelonika in Erinnerung ruft und verschiedene Seelenzustände wachhält, regt ihn an in der Disparatheit der Themen und der "Wortfülle". Sandigs "Kunst des Insistierens" scheint ihm anschlussfähig an GymnasiastInnen-Seelen. Auch weil die geistige Gegenwart "feinfühlig" durchdrungen und die "Standfestigkeit" der Sprache überzeugend gegen "Wortverdreher" ins Feld geführt wird. Nicht zuletzt erahnt er hier eine "Idee der Rebellion".
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