Silke Scheuermann

Skizze vom Gras

Gedichte
Cover: Skizze vom Gras
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2014
ISBN 9783895613760
Gebunden, 104 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Eine Skizze ist ein Versuchsfeld, ein Bild, das die Geste der Arbeit noch in sich trägt; es geht um das Einfangen des Flüchtigen. In diesem Sinn sind auch Silke Scheuermanns Gedichte Versuchsfelder, zumal die Science-Fiction-Gedichte, die jene von Nicolas Born Anfang der siebziger Jahre erfundene Genrebezeichnung vom "utopischen Gedicht" aufgreifen und weiterentwickeln. Die Autorin notiert Historien aus der Zukunft und knüpft dabei an den Verwerfungslinien der Gegenwart an: "Es ist wahr, man kann zu verträumt sein / zum Überleben."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2014

An die Möglichkeiten des Menschseins fühlt sich Michael Braun durch die Lektüre von Silke Scheuermanns Gedichten erinnert. Das vermeintlich Märchenhafte in den Texten der Autorin tritt für ihn deutlich zurück hinter das Metaphysische und Skeptische, mit dem Scheuermann den hohen Ton laut Braun immer wieder konterkariert. Die so gestalteten Suchbewegungen nach Anwesenheit von Liebe und Daseinsordnung und die dabei zutage tretenden Verluste, für Braun eindringlich in den im Band enthaltenen Porträts ausgestorbener Tiere zu besichtigen, rühren den Rezensenten und stellen die Autorin für ihn in die Tradition poetischer Kosmogonien, etwa bei Hesiod und Lukrez. Darüber hinaus sind ihm die Gedichte verstörende Diagnosen zur Lage der Gattung Mensch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.08.2014

Für den Rezensenten Florian Kessler setzten sich Silke Scheuermanns Gedichte sehr erkennbar von der eher reflexiven Gegenwartslyrik ab: Geradezu prosaisch wirken sie auf ihn in ihrer Inhaltlichkeit, die auch die emotionale Rollenrede nicht scheut. Aber weil Scheuermanns Verse eher in einem Assoziationsfluss sprudeln, voller Sprünge und Wechsel und in einer Art "enthusiastischer Konkurrenz zueinander", fragt er sich, was es denn eigentlich für ein Inhalt ist, den Scheuermann transportiert. Deutlich wird ihm, dass die Lyrikerin der Realität "schöne Vorstellungen" entgegensetzen will, doch dafür reichen dem Rezensenten nicht Gestaltwandlung und "Transzendentalflora". Ein unaufmerksames Spiel mit dem "Flair der Utopie" sieht Kessler darin und findet das: Kokett.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.08.2014

Gern lässt sich Björn Hayer auf Silke Scheuermanns Vision von einer zweiten Schöpfung ein. Das liegt an Scheuermanns nicht ironiefreien Versen, in denen außer vom tristen Miteinander von Mensch und Natur auch vom Streben nach Höherem die Rede ist, wie wir erfahren. Zum andern betört Hayer die Verve und Lichtheit der Texte und der Mut der Autorin, die, wie der Rezensent findet, ohne Scheu Mythisches und Übermenschliches, Altes und Neues zusammenbringt. Damit das gelingt, nutzt die Autorin laut Hayer einen reichen Wortfundus und ein souveränes Schöpfertum, das dialogisch vorgeht, bildgewaltig und trotz aller verhandelten Düsternis von Klimakrise und Artensterben feierlich und beschwingt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 09.08.2014

Silke Scheuermanns Gedichte über Martha die Wandertaube und andere ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten haben es Herbert Wiesner angetan. Seiner Ansicht nach gelingt es der Autorin damit, das Naturgedicht ins 21. Jahrhundert zu retten. Das gelingt laut Wiesner, indem Scheuermann den "Opfern" ein Bewusstsein und eine Stimme verleiht, ohne dass die Gedichte darüber süßlich oder überheblich werden. Entscheidend für das Gelingen des poetischen Gesprächs ist für den Rezensenten neben der sorgfältigen Komposition des Bandes das Sichselbstinswortfallen der Texte sowie die Komik, etwa wenn die Brennessel verspricht, uns nicht allzu sehr zu plagen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2014

Silke Scheuermanns Gedichte sind bedrohlich, verwirrend und sonderbar tröstlich zugleich, findet Heinrich Detering. Es geht in den "ökologisch sensiblen Texten" um die Naturgeschichte, um die Ausgestorbenen und die noch Lebenden, um das Bewusstsein von der andauernden Verwandlung der Welt und der eigenen Endlichkeit, fasst der Rezensent zusammen. Der Dodo kommt vor, der "zu verträumt zum Überleben" war, zitiert Detering, und Gloria Dei, die mahnt: "Beschwichtigt uns. / Dann habt ihr eine Chance". Durch das ganze Buch spannt sich ein "ganzes Rankenwerk der Bezüge und Leitmotive", verrät der Rezensent. Zum Beispiel taucht die ausgestorbene Wandertaube Martha, die auch Adressatin einiger Gedichte ist, immer wieder auf. "Manchmal fliegt eine Taube an deiner Höhle vorbei / doch du siehst sie nicht.", zitiert Detering, der im Kontext des Buches nicht anders kann, als Martha stellvertretend für ganze Arten zu nehmen, von denen immer neue auftauchen, nur "um / wieder und wieder / in fast senkrechtem Flug / durch den Augenblick zu stürzen", so der Rezensent.
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