"Niemals keine Nachtmusik" enthält thematisch höchst unterschiedliche, informell, nach "innerer" Notwendigkeit angelegte, teils in Prosa-Betrachtung mündende Gedichte Felix Philipp Ingolds aus den letzten zehn Jahren, dazu ein Hörstück für drei Stimmen. Konzentriert und nonchalant zugleich unternimmt der findige Form-Experimentator und Forscher von Wirkungen poetischer Sprache Sondierungsgänge ins System sprachlicher Zeichen und untersucht im kreativen Prozess Mechanismen der Produktion von Bedeutung und Sinn. Ingold durchstreift dabei einen ganzen Kosmos an Tradition von Kunst, Dichtung, Musik und Philosophie, umkreist Fremdes mit Anspielungen und amalgamiert solches mit Eigenem zu hochkomplexen poetischen Gebilden.
Eine solche Lyrik befördert eine Art umfassenden Verstehens: Im Gleiten über die Brüche zwischen Wörtern und Sätzen, im Driften entlang von Gleichklang und Mehrfachbedeutung, im Nachvollzug gedanklicher Zickzackbewegungen und Rösselsprünge werden kognitive, emotionale und körperliche Effekte zugleich stimuliert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.07.2017
Reich gefüllt mit Gedanken und Bildern ist dieser wunderbare Band des Schweizer Schriftstellers Felix Philipp Ingold, verspricht Rezensent Martin Zingg. Die hier versammelten Gedichte, Notate, poetischen Prosa- und Hörstücke laden ein zu einem Streifzug durch Kunst, Literatur, Musik, Mythologie und Philosophie, fährt der Kritiker fort. Vor allem aber bewundert er den Klangreichtum und das "poetische Formenvokabular" des Autors, der seinen Texten schwungvoll immer neue Bedeutungen und Assoziationen abringt. Dass dem Band eine CD beigelegt ist, auf der Ingold eine Auswahl der Stücke vorliest, ist für Zingg ein Glücksfall.
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