Die evangelische Militärseelsorge als kirchliches Arbeitsfeld steht besonders exponiert an der Schnittstelle zwischen Kirche, Gesellschaft und Staat, im Spannungsfeld von Politik, Ethik und Religion. Ulrich von den Steinen dokumentiert "Nahaufnahmen" seiner konfliktreichen Begegnungen mit dem kirchlichen Friedensengagement, widmet sich aber auch den Herausforderungen des internationalen Terrorismus und der neuen amerikanischen und europäischen Sicherheitsdoktrin. Die Studie überzeugt durch ihre klaren, facettenreichen Ausführungen, die das christliche Friedensengagement und den Schutzauftrag der Soldatinnen und Soldaten zusammen denken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2007
Bedenkenswert scheint Rezensent Horst Scheffler diese Konfliktethik, die der frühere Militärseelsorger Ulrich von den Steinen vorgelegt hat. Ausführlich referiert er die Überlegungen des Autors zu grundlegenden Fragen der Friedens-, Konflikt- und Verantwortungsethik. Deutlich wird seines Erachtens, dass es im Konfliktfall keinen Königsweg gibt und absolut richtiges Handeln in Grenzsituationen nicht möglich ist. Die Ausführungen des Autors zielen für ihn auf eine Konkretisierung und Zuspitzung verantwortungsethischen Handelns. Die Kernfrage, ob zur Abwehr des Bösen Mittel des Bösen eingesetzt werden dürfen, werde vom Autor uneingeschränkt bejaht. Angesichts der globalen Herausforderungen des Terrorismus plädiere dieser im Sinne der Ultima Ratio politischen und militärischen Handelns für präemptive (zuvorkommende) und präventive (vorbeugende) Interventionen. Bedauerlich findet Scheffler allerdings die überaus polemische Auseinandersetzung Steinens mit seinen Kritikern, die der Studie schade, weil sie den notwendigen Dialog mit dem Autor erschwere.
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