In dieser bisher von der Forschung vernachlässigten Spätzeit des Mediums konnten sich nur noch wenige Werkstätten behaupten. Die wichtigsten Zentren für Buchmalerei im deutschsprachigen Raum waren damals noch die Städte Augsburg und Nürnberg. Beginnend mit der ersten Handschrift des Augsburgers Ulrich Thaler - des führenden deutschen Buchmalers der Zeit - aus dem Jahr 1497 hat der Autor erstmals alle erreichbaren Buchmalereien dieser Region in einem Katalog zusammen gestellt. Die Untersuchung führt bis zu dem spätesten nachweisbaren Codex von 1557 aus Nürnberg, wobei nur ein kleiner Teil des heute in alle Welt verstreuten Materials der Forschung bisher bekannt war. Die Publikation klärt grundsätzliche Fragen zu den technischen und materiellen Arbeitsbedingungen der Buchmaler - Aspekte, die von einer vorwiegend an Stilgeschichte und Ikonografie interessierten Forschung bislang kaum beachtet wurden. Aufgrund der Vielfalt der Fragestellungen führen die Betrachtungen weit über die Grenzen der Gattung Buchmalerei hinaus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2000
Norbert H. Ott schildert in seiner Rezension zunächst die Schwierigkeiten, mit denen die Buchmaler, insbesondere wegen des Buchdrucks, in dieser Zeit zu kämpfen hatten. Allerdings weist er auch daraufhin, dass sich beide Formen beeinflussten und prägten - ein Aspekt, der seiner Ansicht nach bisher von der Forschung vernachlässigt wurde. Um so begrüßenswerter findet er das "beeindruckende Buch" Ulrich Merkls. Der Autor habe hier eine "wohl für längere Zeit grundlegende Studie" vorgelegt, in der neben Untersuchungen zur Buchmalerei auch ein Blick auf den Alltag der Buchmaler, ihre Werkstätten und Auftraggeber, die Preise und auch Funktion der Bücher geworfen werde. Ott würdigt ausdrücklich den Mut des Autors, sich mit diesem eigentlich recht unübersichtlichen Thema auseinander zu setzen und auch den Mut des Verlages, eine "so prächtig ausgestattete" Publikation herauszugeben. Allein schon der umfangreiche Katalogteil des Bandes sei eine "Schatzkammer", die viele bisher unbekannte Stücke enthalte.
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