Zur Vigilfeier des Jahres 1769 erblickt in einer Schäferhütte in der Niederlausitz ein Kind namens Ignatz Machandel das Licht einer Welt, die vor Dreck nur so starrt und durchweht ist von üblen Gerüchen. Sobald Machandel krabbeln kann, probiert er, was ihm in die Finger kommt: Er belutscht Grauplinge, kaut Spinnenbeine und Nachtfalterflügel, leckt an Lederriemen und Eisenpfannen, schmeckt Stroh, Ruß, Rinde und Erde. So gehen sieben Jahre ins Land, sieben Jahre, in denen sich Machandel Abertausende von Aromen einprägt. Dann hört er auf zu wachsen und beginnt zu kochen. Und schon bald ist von Cottbus bis Lübben, von der Elbe bis zum Rhein die Rede von dem sonderbaren Winzling, der es wie kein anderer versteht, die erstaunlichsten Speisen zuzubereiten. Als ein harscher Winter eine Hungersnot bringt und Machandels Mutter ins Siechenhaus verbracht wird, kommt der Knabe in ein Kloster. Dort erfährt er von dem berühmten Pariser Koch Baffour, der Gesellen sucht. Machandel macht sich auf die Reise, um an der Seine die Aromen der Liebe, des Ruhms und des Verrats zu schmecken - und um ein bahnbrechendes Buch zu verfassen, von dem noch heute ein Exemplar in der Berliner Staatsbibliothek steht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2010
Nach Andreas Kilbs Rezension dieses Debütromans des Journalisten und Celine-Biografen Ulf Geyersbach fragt man sich vor allem eins: Warum überhaupt eine Besprechung? Offensichtlich hält er das Buch für in eigentlich keiner Hinsicht interessant, also auch keineswegs für aufschlussreich misslungen. "Machandls Gabe" ist, wie Kilb bis ins Detail immer wieder vergleichend darstellt, überdeutlich nach Patrick Süskinds Mega-Bestseller "Das Parfüm" modelliert. Dessen Intensität freilich erreiche er, so Kilb, nirgends. Es geht zwar nicht um einen Parfümier, dafür um einen Koch, "kleinwüchsig, bucklig und menschenscheu", der einmal sogar eine Orgie auslöst. Sprachlich kränkle das Buch und schwanke zwischen Trivialliteratur und schlechtem "Parfüm"-Imitat. Als Zeichen härter werdender Zeiten wertet es der Rezensent, dass der angesehene Arche-Verlag in der Hoffnung auf einen schnellen Verkaufserfolg etwas dermaßen Halbgares auf den Markt wirft.
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