Mit der lange überfälligen Geschichte der Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime liegt erstmals eine Studie vor, welche die im Jahre 2010 bekannt gewordenen Vorkommnisse sexualisierter Gewalt an reformpädagogischen Internaten in ihrer gesamtgesellschaftlichen Dimension verortet. Am Beispiel der Entwicklung des Privatschulverbandes skizziert das Buch die Verschränkung von individuellen Motivlagen 'bedeutender' Vertreter der so genannten Reformpädagogik mit den damit korrespondierenden bildungspolitischen Entwicklungen seit 1945. Sichtbar werden dadurch prekäre Konstellationen der jüngeren Kulturgeschichte unter dem thematischen Doppelbrennglas des Privatschulwesens und der Reformpädagogik, die bis hinein in die Anfänge der 'Lebensreform'-Bewegung der vorletzten Jahrhundertwende reichen, ambivalente Abgründe der Kulturpolitik der Weimarer Republik aufnehmen, vor allem aber mit den komplexen Gemengelagen bildungsreformerischer Initiativen der Bonner Republik bzw. der Nachwendegeschichte des vereinigten Deutschlands vertraut machen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2016
Sehr beeindruckt ist Heike Schmoll von Jens Brachmanns "schonungsloser" Studie zu Geschichte der reformpädagogischen Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime seit dem Zweiten Weltkrieg und deren im Zuge entwickelten Filzstrukturen, die etwa den jahrelangen pädokriminellen Missbrauch an der Odenwaldschule hervorgebracht und dessen Vertuschung begünstigt haben. Zu diesem Zweck hat der Forscher erstmals Akten einsehen können, die lange Zeit unaufbereitet lagerten, führt die Rezensentin aus, nicht ohne allerdings darauf hinzuweisen, dass nicht gesichert sei, inwiefern sie vor ihrer Erschließung womöglich bearbeitet wurden. Brachmanns Forschungsergebnisse referiert die Kritikerin sehr ausführlich - kenntlich werden dabei "geradezu mafiöse Netzwerke deutscher Bildungsprotagonisten", staunt Schmoll, die Brachmann attestiert, ein hervorragendes Grundlagenwerk dieser Geschichte vorgelegt zu haben.
Judith Hermann: Ich möchte zurückgehen in der Zeit Judith Hermann folgt den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war. Sie verknüpft ihr Schreiben mit seiner… Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes… Robert Menasse: Die Lebensentscheidung Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89.… Svenja Leiber: Nelka Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden…