Tobias O. Meißner

Neverwake

Roman
Cover: Neverwake
Eichborn Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783821806907
Gebunden, 153 Seiten, 17,38 EUR

Klappentext

Sie kämpfen und überleben, sie sterben tausend Tode und machen sich mit neuen Kräften wieder auf. Sie träumen nicht, sondern leben wirklich dort, in der anderen, der virtuellen Welt. In Computerspielturnieren treten Gegner mit ihren am Bildschirm generierten Figuren gegeneinander an. Zwei junge Nachwuchsspieler möchten als Team den Sprung in die Liga schaffen, doch vor dem entscheidenden Spiel ist plötzlich einer der beiden verschwunden. Das ist die eine Geschichte - in einer anderen bekommt Esch den Auftrag seines Lebens: Eine Firma hat ein völlig neues Computerspiel entwickelt, das seine Welten durch Rückkopplung mit dem Gehirn des Spielers generiert. Derjenige, der das Spiel als Erster testete, kam von dem Spiel nie wieder zurück. Sein Körper ist im Koma, sein Geist spielt weiter. Esch soll ihm ins Spiel folgen, um ihn zurückzuholen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.05.2001

Die Neuerscheinung von Tobias O. Meissner hat bei Stephan Maus einiges Erstaunen ausgelöst. Nachdem der Berliner Autor mit dem Roman "Todestag" im letzten Jahr der Littérature engagée gehuldigt hat, wartet er nun nur ein gutes halbes Jahr später mit einem Werk auf, dass man dem sogenannten Cyberpunk zuordnen kann. Amerikanischer Cyberpunk, klärt der Rezensent den Unkundigen auf, kombiniere High-Tech-Welten mit archaischen Mythen und Verhaltensmustern. Dies geschieht wohl auch in "Neverwake", wo sich mit Simultanbrillen ausgestattete Datencowboys Duelle gegen ihresgleichen oder wie auch immer geartete Titanen liefern. Maus unterstreicht, wie Meissner in diesem "spielerisch montierten Text" von einem Stil-Level zum anderen zu springen vermag. Auch habe der Autor mit akribischer Sammelwut alle Begriffe aus dem Entertainement-Marketing und dem Techno-Vokabular der Spielentwickler zusammengetragen und durch eigene amüsante Wortschöpfungen ergänzt. Dieses barock überladene Flickwerk spiegelt die überfrachtete Ästhetik der digitalen Spielkulturen wider, findet Maus. Und dennoch kann er sich mit dem Text nicht anfreunden: Der klassische Cyberpunk, erklärt er, ist nämlich vom ähnlichen Geiste des zivilen Widerstandes geprägt wie die Littérature engagée, in "Neverwake" spüre man hingegen eher Meissners Faszination von der digitalen Welt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.03.2001

Durchwachsen - so fällt die Kritik von Ulrich Rüdenauer aus. Tobias O. Meißner habe schon ein gewisses Gespür für aktuelle Themen. Das hat der 1967 geborene Berliner mit seinen drei vorangegangenen Pulp-, Pop- und Politromanen durchaus gezeigt, meint der Rezensent. Aber trendige Themen und fleißiges Schreiben reicht nicht aus, um auch gute literarische Ergebnisse zu produzieren, meint der Rezensent. Das neue Buch ist ein Science-Fiction-Roman, den Meißner aus einer Geschichte, die der Eichborn Verlag bereits zusammen mit den Texten von zwei anderen Autoren unter dem Titel "Countdown läuft" veröffentlicht hat, nun zu einer längeren Geschichte verdichtet hat, informiert Rüdenauer. Roman möchte er "Neverwake" nicht nennen. Die einzelnen Elemente - zwei Erzählungen, ein Glossar und ein fingierter kulturessayistischer Zeitungsbeitrag - hält der Rezensent eher für Bauteile eines Romans, angereichert mit einem "Zitatenschrottplatz" aus alten Science-Fiction-Filmen. Und so klingt für Rüdenauer "Neverwake" wie die "zweitklassige Übersetzung eines drittklassigen amerikanischen Actionromans". Der Rezensent nimmt dem Autor die Erzählung nicht ab. Der Übergang von Realität in Virtualität bleibt Behauptung, eine poetische Fachsprache bewegt sich stilistisch unter der Ebene der "uffs" und "pengs" der Comicsprache, urteilt Rüdenauer. Empfehlen kann er das Buch allenfalls Computerfans. Ansonsten kann man "Neverwake" getrost vergessen, resümiert der Rezensent.
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