Nichts hat die moderne Welt erleichtert. Im Gegenteil! Immer vielfältiger werden Aufgaben, um die man sich um der bloßen Existenz willen zu kümmern hat: Früher kam der Strom einfach aus der Steckdose - heute muss man zwischen mindestens 24 Anbietern mit je zwölf verschiedenen Preissystemen wählen - auf Denglisch! Immer raffinierter werden die Mechanismen, die uns der Lächerlichkeit preisgeben (wer wurde nicht schon vor einer mit den Füßen scharrenden Schlange ungeduldiger Mitmenschen von einem EC-Lesegerät im Supermarkt gedemütigt, das die Karte nicht annehmen wollte), immer peinigender der optische und akustische Terror unserer Umwelt, immer unverständlicher das Behördendeutsch der gesetzlichen Vorschriften und das Fachchinesisch der Gebrauchsanweisungen, immer ausgefeilter die Technik der Handys, die uns Leistungen anbieten, deren Inanspruchnahme uns von allein nie in den Sinn gekommen wäre. Es wird Zeit, sich endlich zur Wehr zu setzen!
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.11.2006
Was Alltagsqualen sind, weiß Franziska Sperr spätestens nach dieser Lektüre. Ein vom Autor allerdings unbeabsichtigter Effekt, rühren Sperrs Qualen doch nicht von den verhandelten Phänomenen her, sondern von der Art und Weise ihrer Darbietung. Als Alltagscoach möchte Sperr den Autor jedenfalls auf gar keinen Fall verpflichten. Zu "kumpelhaft" erscheint ihr Hannes Stein, zu selbstverliebt und viel zu wenig ein echter Wiener Grantler a la Alfred Polgar. Keinen Zweifel lässt Sperr daran, dass Stein kein Meister der Ironie ist, sondern einer jener Berufshumoristen, in deren Witzen die Motten hausen. Und schlimmer noch: Hinter der dicken Staubschicht von Steins Bewertungen entdeckt die Rezensentin nichts als Vorurteile, Aggressivität und Reaktion!
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