Aus dem Englischen von Christa Prummer-Lehmair und Rita Seuß. Tim Weiner zitiert die geheimen Besprechungen Nixons im Oval Office, unter anderem mit Henry Kissinger, auf Grundlage von Tonbandmitschnitten des Weißen Hauses und weiteren brisanten Dokumenten, die erst seit kurzem zugänglich sind. Lügen, Paranoia und Bestechung - unter Richard Nixon erlebten die USA die katastrophalste Präsidentschaft ihrer Geschichte. Der verlorene Vietnam-Krieg und der Watergate-Skandal wurden zu Symbolen seiner Politik. Weiner blickt hinter die Kulissen der großen Politik während des Kalten Krieges, hautnah schildert er Nixons Treffen mit Mao und Breschnew und deckt auf, was Nixon wirklich über den deutschen Kanzler Willy Brandt und die Entspannungspolitik dachte - für die deutsche Ausgabe verfasste Tim Weiner ein eigenes Kapitel zu Brandt und Nixon. Zugleich zeichnet Weiner den politischen Selbstmord des US-Präsidenten nach und zeigt: Watergate war nur der Höhepunkt in einer Kette von Manipulationen und Fehlentscheidungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2016
Detlef Junker weiß genau, womit er es hier zu tun hat: mit einem auf Sensation und Auflage zielenden Buch. Tim Weiners Enthüllungstext unternimmt es laut Junker, Nixons Präsidentschaft auf dessen Defizite, seine diversen Komplexe und seine Lügen zu reduzieren. Junker räumt ein, dass dieses Vorgehen Sog entwickelt, zumal der Autor sich auf die geheimen Tonbandaufzeichnungen aus dem Weißen Haus stützt, um seine suggestive Wirkung zu erzielen. Die zynische Sprache im Machtzentrum und der Ton der Empörung, den Weiner anschlägt funktionieren zusammen, meint Junker. Allerdings erkennt der Rezensent auch, dass der Autor mit seiner Skandalchronik viel verschenkt. So bekommt er Nixons Paradoxie nicht in den Blick, findet Junker, seine Persönlichkeitsstörung einerseits, seine außenpolitischen Erfolge andererseits. Wen das nicht stört, meint er, bekommt mit diesem Buch unter anderem noch einmal den Watergate-Skandal haarklein geschildert.
Zu Beginn seiner Besprechung macht Rezensent Hannes Stein deutlich, wie ungerecht die nachträgliche Bewertung von US-Präsidenten bisweilen ist - und wie sehr sie auch von Äußerlichkeiten abhängt. Während Franklin D. Roosevelt trotz grober Verfehlungen als Lichtgestalt gilt, hat Richard Nixon ein mieses Image, so Stein. Mit Tim Weiner zeichne nun ein Pulitzer-Preisträger und ehemaliger Reporter der "New York Times" die politische Laufbahn Nixons nach. Rezensent Stein tut es ihm gleich, ohne Weiners Buch ausdrücklich zu bewerten. Der wichtigste Abschnitt sei der über Watergate und den Vietnamkrieg, für die deutsche Ausgabe habe der Autor zudem ein Kapitel über Nixons schwierige Beziehung zu Willy Brandt eingefügt, die Weiner überrascht, Stein aber nicht. Sollte Donald Trump US-Präsident werden, werde sich das Buch "umgehend als Makulatur erweisen", schließt der Kritiker, denn dann sei im Vergleich Nixon die Lichtgestalt.
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