Tim Severin

Der weiße Gott der Meere

Auf der Suche nach dem legendären Moby Dick
Cover: Der weiße Gott der Meere
Rütten und Loening, Berlin 2000
ISBN 9783352006302
Gebunden, 287 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Im Jahr 1820 sank die Essex innerhalb weniger Minuten durch den Frontalangriff eines Pottwals. Die Mannschaft des glücklosen Walfängers konnte sich retten. Der Erste Maat, Owen Chase, verarbeitete seine Erlebnisse zu einem Buch, welches wenige Jahre später von Herman Melville als Vorlage für seinen meisterhaften Roman "Moby Dick" genutzt wurde. Seitdem ist Kapitän Ahabs Suche nach dem Weißen Wal zum Sinnbild menschlicher Besessenheit geworden. Über hundert Jahre später macht sich wieder ein Mann auf die Suche nach dem legendären Weißen Wal. Tim Severin, der in den vergangenen Jahren für seine Seeabenteuer bekannt wurde, spürt sowohl den literarischen Vorbildern von Moby Dick nach als auch den weißen Walen, die noch heute im Atlantik und Pazifik gejagt werden. Seine abenteuerliche Reise führt ihn vom Südpazifik über die Philippinen nach Indonesien. Überall fährt er mit den Fischern aufs Meer, die den Pottwal mit archaischen Booten und Waffen jagen. Tim Severins Buch spürt einem uralten Mythos der Seefahrer und Fischer nach und geht dem Geheimnis des Weißen Wals auf den Grund.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.11.2000

Drei Bücher zu einem Thema bespricht Milos Vec in seiner Sammelrezension. In je unterschiedlicher Weise befassen sie sich mit einem Ereignis des Jahres 1820: dem Untergang des Walfängers Essex durch den Angriff eines Wals - ein Vorfall, der auch Hermann Melvilles Roman "Moby Dick" zugrunde lag.
1) Owen Chase "Der Untergang der Essex".
Als eher trockenes Brot des Erlebnisberichts beschreibt Milos Vec diesen sehr bald nach der Rettung entstandenen Text des Obermaats der Essex. Auch ein Ghostwriter habe daraus keine Literatur machen können, es bleibe bei der "spröden Aneinanderreihung der Tatsachen" - seinen Reiz hat es, so Vec, dennoch, und zwar im Vorauswissen des Lesers um die tragische Wendung, die die Ereignisse nehmen werden. .
2) Nathaniel Philbrick "Im Herzen der See".
Nathaniel Philbrick nähert sich dem historischen Ereignis mit Geist und Instrumentarium des Wissenschaftlers, der es ganz genau wissen will. Sozialpsychologie, so Vec, kommt ebenso zum Einsatz wie der Abgleich mit schrecklichen Hungerexperimenten der Amerikaner. Zwar sei Philbrick nur "der akkurate Buchhalter" des dramatischen Geschehens, dennoch sind seine Verdienste, wie der Rezensent feststellt, beträchtlich. Neue Quellen hat er ebenso gefunden wie es ihm gelingt, ein "dichtes, wissenschaftlich fundiertes Panorama" zu verfassen. .
3) Tim Severin "Der weiße Gott des Meeres".
Kein perfektes Buch, so der Rezensent, aber ein grandioses. Man darf sich nur durch die sich "in ihrer Einfalt überbietenden theoretisierenden Leitfragen" nicht stören lassen, denn dafür hat Severin unbestreitbare Qualitäten auf anderen Gebieten: er kann erzählen, "unvergleichliche Bilder" finden und "mit Detailschilderungen großartig fesseln" und nähert sich, so Milos Vec, in der "sakralen Überhöhung" des Wals beinahe sogar dem großen Hermann Melville. Erkennbar werde in seiner Darstellung auch die Stärke der Metapher, zu der das Unglück der Essex wird: es geht um die Umkehrung der Rollen von Jäger und Gejagtem, um das Zurückschlagen der ausgebeuteten Natur.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.11.2000

Reiner Luyken ist nicht willens, zu erklären, auf welche Weise der Engländer Tim Severin, der seit 25 Jahren auf Expeditionen fährt, in seinem Buch Recherchen über Melvilles Roman "Moby Dick" einerseits und seine Erlebnisse mit walfangenden Philippinos andererseits verknüpft. Jedenfalls rechnet Severin Melville und andere Walfänger westlicher Provenienz zu den "gnadenlosen Schlächtern", während er den Walfang der Philippinos als "Akt kultureller Identität" beschreibt, so Luyken. Außerdem ist Severin auf seiner Suche nach dem weißen Wal entgangen, dass 1951 ein solcher gefangen wurde. Luyken ist not amused.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000

Hermann Melville hat in "Moby Dick" die traurige Geschichte vom Untergang des Walfängers Essex aus Nantucket im Jahre 1820 aufgeschrieben und so zu Literatur gemacht. An die historischen Vorgänge erinnern nun zwei neu erschienene Bücher, die Gerald Sammet in einer Doppelrezension bespricht.
1) Philbrick: "Im Herzen der See"
Nathaniel Philbricks Vorgehensweise erinnert den Rezensenten an die eines "Archäologen". Genau würden dokumentierende Fundstücke vermessen, so der Bericht von Owen Chase, Obermaat auf der Essex, das Notizbuch des Kajütenjungen Thomas Nickerson, Äußerungen des Kapitäns etc. "Moby Dick" ebenso wie Poes an das Ereignis angelehnter Erzählung "Arthur Gordon Pym" werden "gekonnt auf Distanz" gehalten. Philbrick, so Sammet, erzählt zwar auch, aber nie ohne Beleg, immer sachlich im Ton. Alles in allem erweise er sich als "Meister des Gegenständlichen".
2) Tim Severin "Der weiße Gott der Meere"
Der Autor Tim Severin wollte alles mit eigenen Augen sehen, erzählt Sammet. Auf den Spuren von "Moby Dick" hat er eine Reise unternommen, im Zentrum seines Interesses immer der weiße Wal. Sichtbar wird die Faszination, die dieser noch heute ausübt, so Sammet, wo Severin als Journalist nur über "Techniken, Begegnungen, die Bedeutung des Wals für unterschiedliche Kulturen" zu schreiben scheint. Mit eigenen Augen sieht Severin, was er nach der Lektüre der Fiktion selbst erkunden musste: diese ist der Wirklichkeit sehr nahe.
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